Auch der Pegasus-Staatstrojaner der NSO Group steht vor dem Aus

Christian Kahle, 14.12.2021 13:34 Uhr 1 Kommentare
Für die Hersteller von Staatstrojanern laufen die Dinge aktuell nicht besonders gut. Nachdem die Münchener Firma FinFisher ins Straucheln geriet, stehen die Zeichen nun auch bei der israelischen NSO Group ein Stück weit auf Niedergang. Insbesondere im internationalen Maßstab hat dieses Unternehmen noch weitaus mehr Aufmerksamkeit erregt. Erst vor einigen Wochen geriet es mit seiner Spionage-Malware Pegasus in vielen Ländern in die Schlagzeilen, als eine Liste mit zahlreichen Journalisten und Anwälten bekannt wurde, die mit der Software ausgespäht wurden. Aber auch Oppositionelle standen durch verschiedene Regierungen über die Malware unter Beobachtung.

Jetzt wurde bekannt, dass die NSO Group intern prüft, wie es mit der Abteilung, in der der Pegasus-Trojaner entwickelt wird, weitergehen soll. Mögliche Optionen sind hier der Verkauf oder die komplette Schließung dieses Geschäftsbereiches. Das berichtet der Nachrichtensender Al Jazeera unter Berufung auf informierte Kreise.

Umbau in Militär-Dienstleister

Dem Vernehmen nach soll es bereits Gespräche mit verschiedenen Investment-Firmen gegeben haben. Darunter sollen sich zwei US-amerikanische Funds befinden, die den Plan hätten die Pegasus-Abteilung zu übernehmen und hinsichtlich ihrer Geschäftstätigkeit zu schließen. Dann würde man um die 200 Millionen Dollar investieren und den Bereich inklusive des Know Hows und der Technologien in einen rein militärischen IT-Security-Dienstleister umbauen.

Da es noch keine offizielle Aussage der NSO Group zu dem Thema gibt, ist unklar, warum die Abteilung nicht mehr in der bisherigen Form weitergeführt werden soll. Die negative Aufmerksamkeit der letzten Zeit dürfte kaum eine Rolle spielen, immerhin sind Firmen, die in dem Bereich agieren, ohnehin eher weniger auf ihren guten Ruf bedacht. Aber auch hier könnte es schlicht der Fall sein, dass die zunehmende Härtung der Mobile-Plattformen und die Aufmerksamkeit, die beispielsweise Google und Apple der Zero Day-Szene widmen, die Entwicklung von Staatstrojanern mit ihrer recht begrenzten Zielgruppe kaum noch wirtschaftlich darstellbar macht.

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