Nvidia-Pläne zur Übernahme ARMs wohl vor dem Aus - FTC will klagen

Christian Kahle am 03.12.2021 08:16 Uhr
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Die Übernahme des Chipdesigners ARM durch Nvidia steht mit wachsender Wahrscheinlichkeit vor dem Aus. Denn auch die mächtige US-Handelsbehörde FTC stellt sich gegen den Zusammenschluss und kündigte eine Klage gegen diesen an.

Bereits kurz nach der Verkündung der Fusionspläne durch Nvidia hatten Unternehmen wie Google, Microsoft und Qualcomm Beschwerden eingereicht. Auf deren Grundlage haben die Wettbewerbshüter der FTC begonnen, den geplanten Deal mit seinem Volumen von 40 Milliarden Dollar zu durchleuchten. Im Ergebnis teilen sie nun die Befürchtungen, dass die Übernahme den Wettbewerb bei verschiedenen Technologien der nächsten Generation einschränken werde.

"Die FTC klagt gegen die größte Halbleiter-Fusion in der Geschichte, um zu verhindern, dass das entstehende Chipkonglomerat den Innovationspfad für Technologien der nächsten Generation blockiert", kommentierte Holly Vedova, die Chefin der zuständigen FTC-Abteilung, die Entscheidung. Denn die Entwicklungen der Zukunft würden direkt davon abhängen, dass auf dem Halbleitermarkt der Gegenwart ein funktionierender Konkurrenzkampf vorhanden ist.

Risiko für Innovationen

ARM bietet zahlreichen Kunden Lizenzen für grundlegende Chip-Architekturen an. Auch Nvidia gehört zu den Lizenznehmern. Die Beschwerdeführer hatten unter anderem Bedenken geäußert, dass der GPU-Produzent seinen eigenen ARM-basierten Produkten einen Vorteil verschaffen könnte, indem man sich nach der Übernahme selbst günstigere Konditionen beim Zugang zu ARM-Designs als der Konkurrenz verschafft. Da die ARM-Kerne die Grundlage zahlreicher neuer Entwicklungen im Halbleiter-Markt sind, wäre es in einem solchen Fall ziemlich sicher, dass die Innovationskraft hier gebremst würde.

Die Einschätzung der FTC geht aber noch über die Entwicklungs- und Geschäftstätigkeit der Konkurrenten Nvidias hinaus. Die Behörde sieht in dem Zusammenschluss auch Risiken für die Märkte, die die kritischen Infrastrukturen der USA versorgen. Es läuft hier letztlich darauf hinaus, dass man befürchtet, die Verringerung der Innovationskraft bei ARM-basierten Chiparchitekturen könnte dazu führen, dass beispielsweise die Kommunikationsnetze oder auch die Supercomputing-Einrichtungen der USA im internationalen Wettbewerb Nachteile erleben.

Und gerade ein solches Fazit wäre insbesondere in der aktuellen Situation ein absehbarer Todesstoß für die Fusionspläne. Denn insbesondere der mächtige Gegner China hatte zuletzt in vielen Bereichen trotz oder gerade aufgrund der US-Blockaden enorme Schritte nach vorn gemacht und soll beispielsweise bereits ins Exascale-Computing vorgestoßen sein, was die USA unter anderem auch auf Grundlage von ARM-basierten Supercomputern ebenfalls schaffen will.

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