Crypto-Mining-Boom: Kasachstan erwägt Bau von Atomkraftwerken

Roland Quandt am 26.11.2021 14:16 Uhr
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Weil die chinesische Regierung gegen Crypto-Mining vorgeht, wandern immer mehr Betreiber von Mining-Farmen in andere Länder ab. Neben den USA verzeichnet Kasachstan das größte Wachstum, so dass dort nun die Stromversorgung unter Druck gerät. Die Regierung erwägt deshalb den Bau neuer Atomkraftwerke.

Wie der japanische Wirtschaftsdienst Nikkei Asia meldet, sind nach dem Verbot des Bitcoin-Mining in China im Mai 2021 in mehreren Wellen immer mehr Betreiber von Mining-Aktivitäten nach Kasachstan umgezogen, so dass das zentralasiatische Land mittlerweile nach den USA der zweitwichtigste Standort in der weltweiten Crypto-Mining-Industrie geworden ist.

Crypto-Miner fallen nach Verbot aus China ein

Mittlerweile liegt der Anteil von Kasachstan an der weltweiten "Hash Rate" für Kryptowährungen bei gut 18 Prozent und hat sich damit innerhalb eines Jahres vervielfacht. Dies liegt zum Einen an der von der Regierung eingeführten neuen Gesetzgebung, andererseits an der in dem Land aufgrund vieler natürlicher Ressourcen und anderer Quellen bisher überreichlichen Energieproduktion.

Allein in diesem Jahr soll der Strombedarf in Kasachstan bereits um acht Prozent zugenommen haben, während normalerweise ein bis zwei Prozent üblich sind, so die Regierung. Inzwischen kam es jedoch aufgrund der im Zuge der gestiegenen Krypto-Mining-Aktivitäten bereits zu Stromausfällen, so dass man in dem Land nach neuen Energiequellen sucht.

Präsident bringt Atomkraft ins Spiel

In der letzten Woche gab es dann einen Auftritt des kasachischen Präsidenten Tokajew, bei dem er ausdrücklich den Bau eines neuen Atomkraftwerks ins Spiel brachte. Man werde wohl in naher Zukunft die "unpopuläre Entscheidung" treffen müssen, einen neuen Reaktor zu bauen. Kasachstan hatte seinen bis dahin einzigen Nuklearreaktor bereits 1999 abgeschaltet. Seitdem gibt es immer wieder Diskussionen über eine Rückkehr zur Kernenergie als Stromquelle, doch wurde dies aufgrund des Widerstands aus der Bevölkerung nie umgesetzt.

Kasachstan verfügt unterdessen auch über reichliche Vorkommen an fossilen Brennstoffen aller Art, sei es Kohle, Gas oder Erdöl. Gleichzeitig hat man durch den Crypto-Mining-Boom aber eben Probleme, die Energieversorgung zu decken, so dass die Einfuhr von Strom aus Russland zugenommen hat. Außerdem versucht die Regierung, den Energiebedarf der offiziell in Kasachstan aktiven Miner zu deckeln. Allerdings gibt es auch viele Akteure, die nicht offiziell registriert sind und dennoch Crypto-Mining in dem Land betreiben, die im Zuge der Migration aus China ihre Kapazitäten immer weiter steigern.

Zwar versucht man derzeit verstärkt, Wasserkraft als alternative Energiequelle für das Mining von Kryptowährungen zu nutzen, doch auch dabei gibt es Probleme. Durch ausbleibende Niederschläge ist die Wasserversorgung der gesamten zentralasiatischen Region nicht mehr gesichert, so dass die Landwirtschaft und die Energieversorgung im kommenden Jahr wohl von Engpässen betroffen sein werden. Atomkraft wird deshalb in Kasachstan, wo weltweit am meisten Uran abgebaut wird, von ihren Fürsprechern als einzige langfristige Lösung der Probleme gesehen.

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