Rittenhouse-Prozess könnte wegen Apple-Mail-Kompression platzen

Witold Pryjda am 18.11.2021 10:46 Uhr
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Derzeit wird verhandelt, ob Kyle Rittenhouse zwei Menschen in Notwehr erschossen hat oder vorsätzlich gehandelt hat - es also Mord war. Doch der Prozess könnte in letzter Minute platzen - aus technischen Gründen, die mit Android- und iOS-Inkompatibilität zusammenhängen.

Seit zwei Tagen berät eine Jury im Fall Rittenhouse, bisher konnten die Geschworenen aber noch kein Urteil fällen. Parallel dazu hat die Verteidigung des Todesschützen ein so genanntes "Mistrial" beantragt. Ein derartiger Fehlprozess wird in der Regel aus formellen Gründen ausgesprochen, die Verhandlung muss dann wiederholt werden.

Im Fall von Kyle Rittenhouse, der im Vorjahr zwei Menschen erschossen und einen schwer verletzt hat, spielt die Technik eine Rolle. Und das Ganze ist auch eine Geschichte, die zeigt, dass die Rivalität zwischen IT-Unternehmen juristische Folgen in einem Mordprozess haben kann.

Inkompatibilität mit Folgen

Konkret hat die Verteidigung einen Fehlprozess beantragt (die Entscheidung hierzu obliegt dem Richter), da man beklagt, ein Video, das den Tathergang zeigt, nicht in voller Auflösung von der Staatsanwaltschaft bekommen zu haben. Es handelt sich um die Aufnahme einer Drohne. Dieses Video hat die Anklage der Verteidigung zwar geschickt, aber es kam nicht in der vollen Größe dort an, berichtet CNN.

Denn die Staatsanwaltschaft hat zunächst versucht, das Video in der vollen Größe via AirDrop an das Anwaltsteam von Rittenhouse zu schicken. Das klappte aber nicht wie es sollte. Der Grund: Die zuständige Verteidigerin Natalie Wisco nutzt ein Android-Smartphone. Daraufhin schickte der verantwortliche Polizeibeamte das Video per E-Mail, dabei kam es aber zu einer Kompression. Statt der Originalgröße von 11,2 MB kam bei der Verteidigung nur ein 3,6 MB großes Video an.

Staatsanwalt James Kraus sagte, dass man nicht gewusst hätte, das so etwas passieren würde. Absicht habe dahinter keinesfalls gesteckt. Wie The Verge schreibt, ist der Video-Transfer während einer laufenden Verhandlung höchst ungewöhnlich, derartiges Beweismaterial müsse in der Regel vor der Verhandlung bereitgestellt werden. Ob es sich hierbei um einen Grund für einen Fehlprozess handelt, ist aber schwer von außen zu beurteilen, da Gerichte elektronische Beweisführung unterschiedlich handhaben, so eine Expertin.

Siehe auch: Verhandlung gegen Todesschützen - Apple-KI soll Videos "manipulieren"
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