Fahrerassistenzsysteme bald wegen Chipkrise Mangelware in Autos?

Roland Quandt am 16.11.2021 13:06 Uhr
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In der Autoindustrie rechnet man zwar im Lauf des Jahres 2022 mit einer Verbesserung der Verfügbarkeit vieler elektronischer Komponenten, allen voran die sogenannten Micro-Controller-Units (MCUs), doch hapert es laut Marktbeobachtern bald anderswo - bei den Fahrassistenzsystemen.

Wie der taiwanische Branchendienst DigiTimes unter Berufung auf Quellen aus der dort ansässigen Industrie berichtet, wird sich die Lage bei den einfacheren Steuerchips für die Verwendung in Autos und anderen Fahrzeugen zwar im Lauf des Jahres 2022 wahrscheinlich entspannen, doch werden die immer häufiger verwendeten Fahrassistenzsysteme ihrerseits wohl bald von Engpässen betroffen sein.

Chipkrise macht Autos vielleicht bald wieder 'dümmer'

Für die Autohersteller und ihre Kunden bedeutet dies, dass man beim Kauf von Neuwagen wohl bald häufiger auf die sogenannten Advanced Driver Assistance Systems (ADAS) verzichten muss oder sie nur mit reduziertem Funktionsumfang nutzen kann. Beispiele für solche Systeme sind Funktionen wie das Automatisierte Parken, Kollisionswarner, Spurassistenten, Geschwindigkeitsregelungssysteme, aber auch KI-Features, Navigation und Konnektivitätsfunktionen.

Dem Bericht zufolge werden größere Kapazitäten bei Chip-Vertragsfertigern wie TSMC und den angeschlossenen Firmen aus der Lieferkette, die zum Beispiel die Testung der Chips übernehmen, zwar im Lauf des Jahres 2022 für eine bessere Verfügbarkeit vieler Chips für den Automobilsektor sorgen. Gleichzeitig werden aber die sogenannten ABF-Substrate für die Fertigung von leistungsfähigen Chips zur Steuerung der Fahrerassistenzsysteme immer knapper.

Das ABF-Substrat, auch Ajinomoto Build-Up Film (ABF), genannt, ist ein auf Basis von Aminosäuren entwickelter Isolator in Form eines Mikrofilms, der in der heutigen Chipindustrie unerlässlich ist, wenn es darum geht, die Verbindung zwischen Silizium und Trägerplatinen herzustellen. Weil ABF-Substrat im Bereich der sogenannten Flip-Chip Backend-Fertigung nicht mehr ausreichend verfügbar ist, müssen die Autohersteller nun mit neuen Engpässen rechnen.

Bis 2023 wird deshalb damit gerechnet, dass die für leistungsfähige Fahrerassistenzsysteme nötigen Chips nicht mehr in den nötigen Mengen gebaut werden können. Gleichzeitig steigen die Preise für die Fertigung entsprechender Produkte, was neben der schlechteren Verfügbarkeit ein weiterer Faktor dafür sein wird, dass manche Autobauer die ADAS-Verwendung in ihren Fahrzeugen reduzieren könnten, heißt es.
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