Verhandlung gegen Todesschützen: Apple-KI soll Videos "manipulieren"

Witold Pryjda am 11.11.2021 10:48 Uhr
Derzeit steht in den USA Kyle Rittenhouse vor Gericht. Der 18-Jährige hat 2020 in Kenosha, Wisconsin bei Demonstrationen und Ausschreitungen zwei Menschen erschossen. Ihm werden Mord, versuchter Mord und leichtfertige Gefährdung mit einer tödlichen Waffe vorgeworfen.

Die Anwälte von Rittenhouse argumentieren hingegen, dass ihr Mandant in Notwehr und nicht vorsätzlich gehandelt habe. Eine zentrale Rolle spielt hier u. a. ein Handy-Video, das zeigen soll, dass der Trump-Fan von Demonstranten angegriffen wird. Was darauf tatsächlich zu sehen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander: Denn Rittenhouse ist im Mittelpunkt der Szene, zu sehen ist aber auch, dass er mit einem Gewehr auf Menschen zielt und andere ihn auch angreifen.

Am Ende verloren zwei Menschen ihr Leben und Rittenhouse muss sich dafür nun verantworten. Doch was genau in dieser Nacht passierte, ist unklar, darunter auch, warum der damals 17-jährige Angeklagte mit einem halbautomatischen AR-15-Sturmgewehr unterwegs war und davon auch Gebrauch machte.

Apple iPad soll Aufnahmen "manipulieren"

Wie erwähnt spielen mehrere Videos in der Verhandlung eine Rolle, allen voran eines, das die tödlichen Schüsse zeigt. Doch es gibt auch Aufnahmen von Sicherheitskameras, diese wollte die Staatsanwaltschaft vor Gericht zeigen, und zwar auf einem iPad. Das lehnte Rittenhouse-Verteidiger Mark Richards ab, und zwar mit einem durchaus denkwürdigen Argument. Denn auf einem iPad sei es möglich, heranzuzoomen, das aber verfälsche die Aufnahme (via Apple Insider).

Richards: "iPads, die von Apple hergestellt werden, verfügen über eine künstliche Intelligenz, die es ermöglicht, die Dinge in drei Dimensionen und mit Logarithmen (sic!) zu betrachten. Und es nutzt künstliche Intelligenz oder ihre Logarithmen, um das zu erzeugen, was sie glauben, dass es passiert. Es handelt sich also nicht um ein verbessertes Video, sondern um die iPad-Programmierung von Apple, die das erzeugt, was sie glaubt, dass es da ist, und nicht unbedingt das, was da ist. "

Das ist natürlich auf gleich mehreren Ebenen Unsinn und Richards gab auch offen zu, dass er das alles nicht versteht - was ihn aber nicht daran hinderte, das als Argument vor Gericht zu verwenden. Richter Bruce Schroeder folgte dieser Argumentation sogar ein gutes Stück weit und forderte die Anklage auf zu beweisen, dass Heranzoomen die Aufnahme nicht manipuliert.
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