Corona lässt Spiel- und Mediensucht bei Kindern deutlich ansteigen

John Woll am 04.11.2021 18:24 Uhr
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Corona hieß für viele Kinder mehr oder weniger auch: Monate zu Hause bleiben. Die Statistik zeigt, was der Alltag vermuten lässt: In dieser Zeit war der Blick junger Menschen noch häufig auf PC und Smartphone gerichtet. Parallel steigt die Zahl der Mediensüchtigen.

Zockdown: Corona-Zeit war für viele Kids mit PC und Smartphone verbunden

Die Schule ist dicht, Vereine zu, Treffen mit Freunden nicht möglich: Auch Kinder und Jugendliche waren in der Corona-Zeit über Monate stark in ihrem normalen Alltag eingeschränkt. Was bleibt da noch an Freizeitaktivitäten? Wie eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) im Auftrag der Krankenkasse DAK zeigt, hieß die Antwort oft: PC oder Smartphone.

So deutet die Umfrage laut Spektrum darauf hin, dass sich schon der erste Lockdown im Frühjahr 2020 deutlich auf die tägliche Bildschirmzeit ausgewirkt hatte. Waren Kinder und Jugendliche vorher im Schnitt rund zwei Stunden mit sozialen Medien wie Tiktok, Instagram und Co. beschäftigt, stieg dieser Wert während dieser Zeit um eine Stunde an. Auch bei Computerspielen zeigt sich ein ähnliches Bild: hier stieg die Nutzungszeit von 1 Stunde, 23 Minuten auf zwei Stunden und 12 Minuten.

Besorgniserregend ist laut DZSKJ auch die parallele Entwicklung der Sucht-Statistik. Demnach zeigen nach einer Hochrechnung 2021 mehr als vier Prozent der 10- bis 17-Jährigen in Deutschland Symptome von Computerspiel- oder Social-Media-Sucht. Im Zuge der Corona-Pandemie hatte sich hier eine dramatische Entwicklung ergeben. Lag der Wert der jungen Menschen mit "pathologischem Computerspielverhalten" 2019 bei 144.000, ist dieser bis 2021 auf 219.000 angestiegen. Social-Media-Sucht betrifft demnach aktuell 246.000 Kinder und Jugendliche, vor zwei Jahren waren es noch 171.000.

2022 kommt die Fortsetzung

Die Forscher wollen ihre Befragung, die seit 2019 jährlich durchgeführt wird und als Datenbasis dient, auch im kommenden Jahr fortführen, um die ermittelten Trends langfristig verfolgen zu können. Auch die WHO hat auf die Entwicklung reagiert. Ab nächstem Jahr ist die Computerspielsucht als eigenständige Diagnose im Klassifikationssystems für Krankheiten gelistet.
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