Kurioser Spionage-Fall zwischen Atom-U-Booten und Erdnussbutter

John Woll am 12.10.2021 17:44 Uhr
6 Kommentare
Sie wollten geheime Pläne für Atom-U-Boote an ein anderes Land verkaufen, liefen aber direkt in die Falle von Strafverfolgern. In den USA beschäftigt ein kurioser Spionage-Fall aktuell die Justiz, bei dem auch ein halbes Erdnussbutter-Sandwich eine Rolle spielt.

Einfach mal Geheimpläne an eine andere Regierung schicken

Durch die typische Darstellung in der Popkultur verbindet man Spionage heutzutage schnell mit Hightech-Gadgets, teuren Anzügen und wilden Verfolgungsjagden. Das, was das US-Ministerium jetzt unter der Überschrift "Nuklearingenieur aus Maryland und Ehefrau unter Spionageverdacht verhaftet" beschreibt, zeigt aber, dass sich die Realität abseits von erdachten Geheimagenten oft deutlich unglamouröser darstellt.

Der jetzt verhaftete J. Toebbe hatte als Nuklearingenieur für die Navy gearbeitet und war im "Naval Nuclear Propulsion Program" direkt mit der Entwicklung von Reaktoren für Atom-U-Boo­te betraut. In dieser Rolle besaß er eine Sicherheitsfreigabe des US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums, die ihm Zugang zu eingeschränkten Daten gewährte. Wie die Strafverfolger rekonstruieren, hatte Toebbe im Jahr 2020 ein Paket an die Regierung eines nicht benannten Landes geschickt. Der Inhalt: Eine SD-Karte mit Auszügen aus geheimen Bauplänen.

Schnell sollte sich zeigen, dass der selbsternannte Spion hier weitaus weniger schlau vorgegangen war, als er wohl vermutet hatte. "Toebbe begann, über verschlüsselte E-Mails mit einer Person zu korrespondieren, von der er annahm, dass sie ein Vertreter der ausländischen Regierung sei. In Wirklichkeit war die Person ein verdeckter FBI-Agent", so das Justizministerium.

Übergabe macht Frau zur Komplizin

Nach Monaten der Verhandlung hatte der verdeckte Agent den Nuklearingenieur von einer physischen Übergabe von Daten gegen die Zahlung von 100.000 US-Dollar in Kryptowährung überzeugt. Zu diesem Zeitpunkt wurde dann auch die Frau in die kuriose Übergabe mit eingespannt, die von den Strafverfolgern ungewöhnlich detailliert beschrieben wird: "Während D. Toebbe Schmiere stand, platzierte J.Toebbe eine SD-Karte, die in einem halben Erdnussbutter-Sandwich versteckt war, an einem vorher vereinbarten Ort." Dabei waren sie natürlich auf Schritt und Tritt von FBI und Navy CIS beobachtet worden.

Nach weiteren Übergaben und der endgültigen Bestätigung durch die Strafverfolger, dass hier tatsächlich geheime Navy-Baupläne gehandelt worden waren, wurden der Nuklearingenieur und seine Ehefrau am 9. Oktober verhaftet. Jetzt müssen sie sich für "Verstöße gegen den "Atomic Energy Act", das US-amerikanische Kernenergiegesetz, verantworten. Die Ermittlungen von FBI und Navy CIS dauern weiter an.
6 Kommentare lesen & antworten
Jede Woche neu: Top-News per E-Mail
Folge WinFuture auf Google News
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2021 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies