Akku-Rohstoff: Europas erste Lithium-Fabrik entsteht in Brandenburg

Christian Kahle, 11.10.2021 15:18 Uhr 7 Kommentare
Die Niederlausitz im Süden Brandenburgs bleibt auch nach dem bevorstehenden Ende der Braunkohle ein wichtiger Standort für Industrien rund um das Thema Energie. In Guben wird jetzt beispielsweise Europas erstes Werk für die Lithium-Veredelung gebaut. In der Stadt ganz im Osten Deutschlands siedelt sich das Unternehmen Rock Tech Lithium an, berichtet die Lausitzer Rundschau. Auf dem Gelände des ehemaligen Chemiefaserwerkes soll dort zukünftig lithiumhaltiges Gestein zu Lithiumhydroxid, das qualitativ hochwertig genug für den Einsatz in Batterien ist, verarbeitet werden. Die Fertigung soll bereits im Jahr 2024 anlaufen.

Das Gestein stammt dabei aus Kanada, wo es in einem Tagebau abgebaut wird. Per Schiff und Zug soll es dann nach Guben transportiert werden. Rock Tech hat sich zum Ziel gesetzt, in dem Werk 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr herstellen zu können. Mit dieser Menge ließen sich die Akkus für mindestens 500.000 Elektroautos produzieren, wie Firmenchef Dirk Harbecke gegenüber der Zeitung erklärte.

Kunden sind in der Nähe

Der Standort ist für den Hersteller im Grunde ideal, denn in direkter Nähe befinden sich zwei potenzielle Großkunden: Einmal das neue Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin, wo der US-Konzern auch die Batterien für seine Fahrzeuge selbst fertigen will, und das Lausitzer BASF-Gelände in Schwarzheide, wo ebenfalls eine Kathoden-Produktion aufgebaut wird.

Bis zu 470 Millionen Euro will Rock Tech in den kommenden Jahren in die neue Fabrik investieren. Das Unternehmen will dann selbst rund 160 Arbeitsplätze bieten, weitere werden bei Dienstleistern im Umfeld dazukommen. "Wir haben relativ schnell gespürt, dass uns Guben haben will", erklärte Harbecke. Dies sei bei einer größeren Industrie-Ansiedlung durchaus nicht immer gegeben.

Rock Tech spricht in seinen Planungen auch schon von einer zweiten Ausbaustufe für diesen Standort. In dieser wird allerdings kein Rohgestein verarbeitet, stattdessen will man hier ausgediente Lithium-Ionen-Akkus recyclen. Man plane den weltweit ersten geschlossenen Kreislauf für Lithium, hieß es. Und die entsprechende Erweiterung ist nicht in irgendeiner fernen Zukunft angesiedelt. Man will bereits im Jahr 2030 rund 50 Prozent des verkauften Lithiumhydroxids aus der Wiederverwertung holen.

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