Litauen rät, Xiaomi-Smartphones wegen Zensur sofort wegzuwerfen

Witold Pryjda, 22.09.2021 15:46 Uhr 9 Kommentare
Es ist bekannt, dass China seine Bürger rigoros überwacht und Zensur betreibt, daran haben sich auch bzw. insbesondere chinesische Unternehmen zu halten. Im Westen wollen diese aber nichts davon wissen. Im Fall von Xiaomi macht ein litauisches Ministerium nun schwere Vorwürfe.

Nicht nutzen, sofort wegwerfen

Xiaomi ist auch in Europa beliebt, der chinesische Hersteller ist für gute und zugleich erschwingliche Hardware bekannt. Doch das litauische Verteidigungsministerium rät den Bürgern des Landes und auch außerhalb, keine Xiaomi-Smartphones mehr zu kaufen. Mehr als das: Besitzer von Geräten des Herstellers sollen diese am besten sofort wegwerfen.

Grund für diesen doch extremen Rat ist eine Untersuchung, die im Auftrag der litauischen Regierung durchgeführt worden ist. Diese hat herausgefunden bzw. behauptet, dass Xiaomi-Geräte integrierte Zensur-Fähigkeiten haben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hätten Flaggschiff-Smartphones, die in Europa verkauft werden, eine eingebaute Fähigkeit, Begriffe wie "Free Tibet", "Es lebe die Unabhängigkeit Taiwans" oder "Demokratiebewegung" zu erkennen und zu zensieren.

Xiaomi 11T & 11T Pro: Die neuen High-End-Smartphones im Hands-on
videoplayer

Kann jederzeit aktiviert werden

Im Fall des Xiaomi Mi 10T 5G ist diese Software zwar für den europäischen Markt von Haus aus ausgeschaltet, sie kann aber laut der litauischen Behörde für Cybersicherheit jederzeit aus der Ferne eingeschaltet werden. Der stellvertretende Verteidigungsminister Margiris Abukevicius dazu: "Unsere Empfehlung ist es, keine neuen chinesischen Handys zu kaufen und die bereits gekauften so schnell wie möglich loszuwerden." Xiaomi selbst hat auf eine Anfrage von Reuters zu diesem Thema nicht reagiert.

Die Veröffentlichung des Berichts ist kein Zufall, denn es gab zuletzt diplomatische Spannungen zwischen Litauen und China. Dabei geht es u. a. um die Anerkennung Taiwans bzw. die Tatsache, dass der von China beanspruchte Inselstaat unter dem Namen Taiwan eine De-Facto-Botschaft in Vilnius eröffnen darf - in anderen Ländern wird in der Regel der Name Taipeh verwendet, um China nicht zu verärgern.

Update: Xiaomi hat mittlerweile ein Statement dazu veröffentlicht und dementiert die Vorwürfe: "Die Geräte von Xiaomi zensieren keine Kommunikation mit oder von ihren Nutzern. Xiaomi hat und wird niemals persönliche Aktivitäten seiner Smartphone-Nutzer einschränken oder unterbinden, wie z.B. das Suchen, Anrufen, Surfen im Internet oder die Verwendung von Drittanbieter-Kommunikationssoftware. Xiaomi respektiert und schützt die gesetzlichen Rechte seiner Nutzer in vollem Umfang. Xiaomi erfüllt die Allgemeine Datenschutzverordnung der Europäischen Union (GDPR)."
9 Kommentare lesen & antworten
Folge WinFuture auf Google News
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2022 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies