Energiewende in Deutschland: Windkraft-Werk in Brandenburg schließt

Christian Kahle, 21.09.2021 10:14 Uhr 85 Kommentare
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Kurz vor der Bundestagswahl zeigt sich in Brandenburg noch einmal sym­bol­haft der Stand der Energiewende in Deutschland: Der Wind­kraft­an­la­gen-Kon­zern Vestas will ausgerechnet sein Werk in der Braunkohle-Region Lausitz schließen. Mit der Produktionsstätte hatte man in der Region große Hoffnungen verbunden. Immerhin prägte die Kohle die Gegend über viele Jahrzehnte. In der Kleinstadt Lauchhammer wurde vor fast 250 Jahren der erste Lausitzer Kohleflöz überhaupt erschlossen und hier wurde auch erstmals Koks aus Braunkohle hergestellt. Mit der Wende fielen plötzlich 15.000 Arbeitsplätze weg und teilweise kletterte die Arbeitslosenquote auf bis zu 70 Prozent.

Im Angesicht einer immer weiter gehenden Abwanderung von Menschen, die die Einwohnerzahlen der Stadt binnen 20 Jahren fast halbierte, war die Ansiedlung des Vestas-Werkes ein Lichtblick. Immerhin ist die Windkraft im Angesicht der notwendigen Energiewende eigentlich zukunftsträchtig, während das endgültige und notwendige Ende der Kohleförderung immer näher rückt.

Nachfrage gibt es anderswo

Entsprechend hart ist der Schlag für die Region, der mit dem nun mitgeteilten Schlie­ßungs-Be­schluss daherkommt. Gänzlich unerwartet kommt er unterdessen nicht. Vestas hatte hier bereits vor einiger Zeit die Fertigung ein gutes Stück zurückgefahren. Das liegt zu einem gewissen Teil auch an der Konzernstrategie, aber trotzdem auch an der politischen Entwicklung in Deutschland. Denn Vestas hat inzwischen auch Fertigungsstätten in Nordamerika und Asien aufgebaut, wo die Windkraftanlagen des Herstellers deutlich stärker nachgefragt sind als in Deutschland.

Von der Schließung des Werkes wären in Lauchhammer 460 Arbeitsplätze direkt betroffen. Die Folgen für die Stadt dürften allerdings noch weitaus größer sein, denn andere Arbeitgeber mit größerem Zukunftspotenzial gibt es kaum. Lediglich im benachbarten Schwarzheide geht es im Umfeld des großen BASF-Chemiewerkes noch in Sachen Energiewende weiter. Hier will man sich mit der Fertigung von Komponenten für die Akku-Produktion für die Zeit nach der Kohle rüsten.

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