Alipay: Chinas Zahlungsgigant steht vor der staatlichen Zerschlagung

Witold Pryjda am 14.09.2021 16:31 Uhr
10 Kommentare
Die chinesischen Tech-Unternehmen konnten lange Zeit ungehindert agieren und entsprechend steil fiel so mancher Aufstieg aus. Doch gerade auf dem Finanzsektor besinnt sich die Staatsführung ihrer kommunistischen Wurzeln und greift hart gegen Firmen im Finanzsektor durch.

Aktuell hat die chinesische Staatsführung offenbar einen besonders mächtigen Gegner ins Visier genommen, nämlich Alipay: Diesen Zahlungsdienstleister kann man zwar als Chinas PayPal bezeichnen, doch das wäre auch nicht ganz treffend, denn Alipay hat PayPal schon vor vielen Jahren als weltgrößte Zahlungsplattform überholt.

Und wie die Financial Times berichtet (via Reuters), will die Regierung in Peking die zur Ant Group gehörende Plattform zerschlagen. Die Ant Group bzw. die Konzernmutter Alibaba stehen auch im Zentrum der jüngsten Regulierungsmaßnahmen der chinesischen Staatsführung. Konkret geht es hier um das Kreditgeschäft von Alipay, dieses soll abgespaltet werden.

Alipay
Infografik: Alipay

Nutzerdaten müssen übergeben werden

Mehr als das: Alipay wird laut den bekannt gewordenen Plänen die für Kreditgeschäfte verwendeten Nutzerdaten übergeben müssen, genauer gesagt sollen diese an ein hierfür neu geschaffenes Scoring Joint Venture übergeben werden. Diese chinesische "Schufa" wird teilweise im Staatsbesitz sein, so die Financial Times, die sich auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen beruft.

Dass die chinesische Staatsführung besorgt ist, kann man als durchaus begründet bezeichnen, denn das Kreditgeschäft von Alipay hat im Vorjahr etwa zehn Prozent der Verbraucherkredite des Landes ausgemacht (Hypotheken ausgenommen).

Alibaba, aber auch andere IT-Konzerne stehen schon seit Monaten im Visier der chinesischen Staatsführung. Es geht hier natürlich um Macht, vor allem Alibaba ist mit massivem Druck aus Peking konfrontiert. Wie der Guardian berichtet, hat das auch konkrete Folgen, denn nach dem Bekanntwerden der jüngsten Maßnahmen fiel die Aktie des 1999 gegründeten Handelsgiganten sofort.
10 Kommentare lesen & antworten
Jede Woche neu: Top-News per E-Mail
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2021 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies