Studie: Software-Piraterie kann zu mehr Innovation und Umsatz führen

Witold Pryjda am 03.09.2021 14:49 Uhr
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Piraterie ist böse. Das ist das einfache Fazit der Betroffenen. Das ist nachvollziehbar, die Realität ist aber komplexer. Das zeigt nun erneut eine Studie, denn sie kommt zum Schluss, dass Piraterie Innovation fördert. Denn sie zwingt Hersteller, in Neuentwicklungen zu investieren.

Software-Piraterie fördert Innovation: Was nach einem Widerspruch oder einer dubiosen Rechtfertigung von Filesharern klingt, ist das Ergebnis einer seriösen Studie, die noch dazu im Auftrag des U.S. Patent and Trademark Office (USPTO) entstanden ist. Wie das Filesharing-Blog TorrentFreak berichtet, argumentieren die Besitzer urheberrechtlich geschützter Produkte wie Software nämlich normalerweise, dass der finanzielle Schaden zu geringerer Produktion und gesenkter Innovation führt.

Doch laut der Studie ist das nicht zwangsläufig der Fall und in einigen Fällen tritt sogar das Gegenteil ein. Damit reiht sich die neueste Untersuchung zu vergleichbaren Analysen ein, die bewiesen haben, dass Kino-Piraterie nicht automatisch bedeutet, dass weniger Filme gemacht werden und es auch in der Musikindustrie vergleichbare Effekte gebe.

Im Fall der aktuellen USPTO-Studie sehen sich die Autoren den so genannten "Piraterieschock" an . Zu diesem kam es vor 20 Jahren als BitTorrent erstmals gestartet ist. Das neue Filesharing-P2P-Protokoll erleichterte die Verteilung von allen nur denkbaren Dateien, allerdings wurde es vor allem auch für Urheberrechtsverstöße eingesetzt.

Im Zuge dieses "natürlichen Experiments" sahen sich die Studien-Macher an, wie große Softwareunternehmen ihre Budgets für Forschung und Entwicklung in den darauffolgenden Jahren verändert haben. Um Vergleichswerte zu bekommen, sah man sich Unternehmen mit einem hohen bzw. niedrigen Piraterie-Risiko an.

Mehr Innovation, mehr Einnahmen

"Wir stellen fest, dass die zunehmende Piraterie die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Urheberrechte, Trademarks und Patente für große, etablierte Softwareunternehmen erhöht", so die Studien-Autor*innen Wendy Bradley und Julian Kolev. "Die Unternehmen in unserer Stichprobe verzeichneten nach dem Piraterieschock einen starken Anstieg der Innovationstätigkeit, aber sie änderten auch ihre IP-Strategien, um durch vermehrte Anmeldungen von Urheberrechten und Handelsmarken ein breiteres Portfolio zu verfolgen."

Das bedeutet übrigens nicht, dass die Umsätze zurückgegangen sind, denn mit Innovationen und neuen Produkten konnten die Firmen diesen teilweise sogar steigern: "Die Unternehmensleistung liegt zwar außerhalb des Rahmens dieser Studie, aber erste Schätzungen zeigen, dass die Unternehmen in unserer Stichprobe nach dem Piraterieschock sowohl ihre Einnahmen als auch ihre Gewinne erheblich steigern konnten."
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