Bosch: Chip-Engpass ist nicht gottgegeben - die Lieferkette taugt nichts

Christian Kahle am 25.08.2021 13:26 Uhr
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Aus Sicht der Automobilindustrie gibt es derzeit nicht einfach nur einen Engpass bei Chips. Ein Bosch-Manager sieht viel wei­ter­ge­hen­de Probleme und fordert, dass die gesamte Lie­fer­ket­te grundlegend umgebaut wird.

Wie Bosch-Geschäftsführer Harald Kroeger in einem Interview mit dem US-Sender CNBC ausführte, konnten die Probleme der Halbleiter-Industrie bei der Lieferung größerer Chip-Mengen letztlich nur deshalb so stark auf die Automobil-Branche durchschlagen, weil auch andere Dinge nicht stimmen. Es sei überhaupt nicht möglich gewesen, Schwierigkeiten auf Seiten der Hersteller abzufedern.

Auch Kroeger kritisierte die vollständige Ausrichtung der Industrie auf die Just-in-Time-Produktion, für die quasi die gesamte Lagerhaltung abgebaut und auf die Lieferwege verlagert wurde. Man könne sich nicht darauf verlassen, dass man durchgängig alle zwei Wochen eine Lieferung von Produkten bekomme, die wie manche Halbleiter-Komponenten allein schon sechs Monate Produktionszeit benötigen. Wenn dann an der Quelle mal etwas ins Stocken kommt, ist man binnen weniger Tage aufgeschmissen.

Immer mehr Risiken

Und dies muss nicht einmal eine Pandemie sein. Zusätzlich gab es in der letzten Zeit noch weitere Vorfälle, die den Engpass weiter verschärften. In Japan fiel ein Werk von Renesas beispielsweise aufgrund eines Feuers über längere Zeit aus. Und im Februar lag die Produktion bei NXP Semiconductors in Texas brach, nachdem dort ein unerwartet heftiger Wintereinbruch verzeichnet wurde. Und gerade solche Wetterextreme werden in den kommenden Jahren weiter zunehmen, so dass man sich auf häufigere Lieferprobleme einstimmen muss.

Kroeger forderte daher, dass sich die Beteiligten der gesamten Lieferkette zusammensetzen und neue Konzepte ausarbeiten. Denn die Abhängigkeit der Automobilbranche von der Halbleiter-Industrie wird garantiert nicht abnehmen. "Jedes Auto wird smarter und braucht mehr Halbleiter", sagte er.

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