Chef-Lobbyist tritt zurück: Blauer Wasserstoff ist eine Klimalüge

Christian Kahle, 23.08.2021 15:19 Uhr 13 Kommentare
Der Chef einer der einflussreichsten Lobby-Organisationen für die Nutzung des so genannten blauen Wasserstoffs hat seinen Rücktritt erklärt. Er wolle nicht mehr einen komplett falschen Weg unterstützen, der letztlich nur Ölkonzernen Profite sichert. Chris Jackson warf seinen Posten als Chef der UK Hydrogen and Fuel Cell Association jetzt hin. Dieser hatte vor zwei Jahren selbst ein Unternehmen zur Nutzung des so genannten grünen Wasserstoffs, der mit Strom aus regenerativen Quellen hergestellt wird, gegründet. Im zugehörigen Branchenverband vertrat er gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit die Argumentation, dass man den so genannten blauen Wasserstoff als Übergangslösung benötige und damit bereits einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leiste.

Blauer Wasserstoff wird aus Erdgas gewonnen und gehört damit zu den fossilen Energieträgern. Die Branche argumentierte dabei stets damit, dass das bei der Gewinnung entstehende Kohlendioxid aufgefangen und mit Speicherverfahren in tiefe Erdschichten verpresst werde, womit es der Atmosphäre nicht mehr gefährlich werden kann. Allerdings zeigte eine kürzlich veröffentlichte Studie, dass die Nutzung blauen Wasserstoffs sogar klimaschädlicher sein kann als die Verbrennung von Kohle. Denn die Förderung und der Transport des zugrunde liegenden Erdgases lässt große Mengen Methan in die Atmosphäre entweichen, das eine noch weitaus schlimmere Treibhauswirkung hat als Kohlendioxid.

Fossil-Industrie will Subventionen

In einer Stellungnahme zu seinem Rücktritt schrieb Jackson laut Ars Technica nun: "Die Energiewende kann nicht mit einer Silberkugel erreicht werden und grüner Wasserstoff allein kann nicht alle Herausforderungen auf der Welt lösen. Während es aber nicht die eine richtige Antwort gibt, gibt es doch Antworten, die einfach falsch sind."

Er sei in der letzten Zeit zu der Erkenntnis gekommen, dass blauer Wasserstoff im besten Fall eine teure Nebelkerze ist und im ungünstigeren Fall die Wirtschaft im fossilen Zeitalter festhält. Teuer vor allem deshalb, weil die Öl- und Gas-Konzerne, die hauptsächlich für den blauen Wasserstoff trommeln, alles daran setzen, um über die nächsten 25 Jahre hinweg gigantische staatliche Subventionen für entsprechende Projekte abzugreifen.

Durch den Einfluss der Lobbyisten steht die Nutzung des blauen Wasserstoffs ganz oben auf der Agenda vieler Regierungen - auch in Deutschland. Mit den vermeintlichen und inzwischen widerlegten Vorteilsargumenten wird unter anderem die Finanzierung neuer Infrastruktur-Projekte gerechtfertigt. Man kann dann davon ausgehen, dass diese später immer weiter betrieben werden, da sie nun einmal gebaut wurden - was die Umstellung auf echte klimafreundliche Technologien ausbremst.

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