Microsoft versteckt in China LinkedIn-Profile, die Tiananmen erwähnen

Witold Pryjda am 05.07.2021 09:20 Uhr
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Das Massaker, das sich 1989 am Tiananmen-Platz ereignet hat, ist und bleibt für die chinesische Staatsführung ein Dorn im Auge. Man bemüht sich um ein sauberes Image, die rund 2600 Toten passen da nicht ins Bild. Und dieses müssen auch US-Unternehmen sauber halten.

Microsoft hat bereits Anfang Juni dieses Jahres für Diskussionen gesorgt, denn man hat - auch im Westen - in seiner Suchmaschine Bing Fotos des berühmten "Tiananmen Tank Man" geblockt. Damit ist jenes ikonische Foto gemeint, das einen unbekannten Mann zeigt, der sich in Peking einsam einem bzw. mehreren Panzern in den Weg stellt.

Der Redmonder Konzern sprach damals von einem "menschlichen Fehler", das Bild sollte nicht außerhalb Chinas blockiert werden. Dass dieses Foto und andere aus der Serie nicht via Bing in der Volksrepublik angeboten werden, ist aber keine Überraschung, denn die Staatsführung des Landes zensiert so etwas und zwingt auch alle Unternehmen aus dem Westen dazu, wenn diese in China Geschäfte machen wollen.

Nun wurde ein weiterer Aspekt dieser Zensur gesichtet, diesen hat der Sicherheitsforscher Kevin Beaumont entdeckt (via MSPU). Denn wer Tiananmen auf seinem Profil des Business-Netzwerks LinkedIn erwähnt, der kann damit rechnen, dass sein Profil in China nicht zu sehen ist.

Beaumont schreibt dazu ironisch auf Twitter, dass dies ein "Operations Security"-Hinweis sei: "OPSEC-Tipp - wenn Sie nicht über Leute in China auf LinkedIn gephisht werden wollen, fügen Sie 'Tiananmen-Platz' zu Ihren Interessen hinzu und Ihr Profil wird in China nach ein paar Tagen automatisch unsichtbar."

"Verbotener Inhalt"

Microsoft schickt hierzu auch eine Warnung, denn vor dem Herausfiltern bekommen Nutzer eine Warnung, die ihnen die Möglichkeit gibt, von sich aus nicht erlaubte Inhalte zu löschen. Microsoft: "Ihr LinkedIn-Profil ist ein integraler Bestandteil der Art und Weise, wie Sie Ihr berufliches Selbst in der Welt präsentieren. Deshalb glauben wir, dass es wichtig ist, Sie darüber zu informieren, dass aufgrund des Vorhandenseins von verbotenen Inhalten im Abschnitt Kenntnisse und Fähigkeiten Ihres LinkedIn-Profils Ihr Profil und Ihre öffentlichen Aktivitäten, wie etwa Ihre Kommentare und Elemente, die Sie mit Ihrem Netzwerk teilen, in China nicht sichtbar gemacht werden."
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