'Waffenruhe' zwischen Microsoft & Google vorbei - neuer Lobby-Krieg?

Roland Quandt am 30.06.2021 15:33 Uhr
In den kommenden Monaten könnten sich die Beziehungen zwischen Microsoft und Google wieder deutlich verschlechtern. Die beiden Technologiekonzerne haben einen vor Jahren geschlossenen "Nichtangriffspakt" jüngst auslaufen lassen - wohl ohne Interesse an einer Verlängerung.

Wie der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg berichtet, haben Microsoft und Google ein vor einigen Jahren geschlossenes Abkommen nicht verlängert, in dessen Rahmen man sich darauf geeinigt hatte, die auf beiden Seiten großen Ressourcen in Sachen Lobbyarbeit nicht - oder nur im äußersten Notfall - gegeneinander zu verwenden.

Laut Quellen, die mit der Situation in den Führungsebenen der beiden Tech-Giganten vertraut sein sollen, haben weder Microsoft noch Google derzeit ein Interesse daran, ihren "Waffenstillstand" in Sachen Lobbyismus zu verlängern. Beide Konzerne ließen das Abkommen, das die beiden damals gerade frisch ins Amt gestarteten CEOs Satya Nadella von Microsoft und Sundar Pichai von Google bzw. Alphabet vor fünf Jahren unterzeichnet hatten, im April einfach auslaufen.

Microsoft sieht sich bei Online-Werbung benachteiligt

Auf Seiten von Microsoft ließ man das Abkommen auslaufen, weil man sich durch Googles Dominanz im Markt für Online-Werbung benachteiligt sieht. Die Redmonder werfen Google eine mangelnde Interoperabilität seiner Dienste rund um Online-Werbung vor. Zwar gab es entsprechende Verhandlungen und Kontakte, doch selbst Gespräche zwischen den beiden Firmenchefs führten nicht zu einer Lösung.

Google sieht Rückkehr zu alten Lobbyismus-Taktiken

Auf Seiten von Google sieht man sich zu unrecht attackiert und wirft Microsoft vor, einfach wieder auf seine alten Taktiken der Lobbyarbeit gegen Rivalen und für Regulierungen des Marktes zu seinen Gunsten zurückzugreifen. In dem Streit geht es um eine Reihe von Themen, die vor allem die Vermarktung von Online-Werbung betreffen. Dieser Bereich ist Googles wichtigste Einkommensquelle und wird von dem Internetkonzern auch mit einer massiven Marktmacht dominiert.

Scroogled: Microsoft-Spot gegen Googles Chromebooks
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Microsoft verdient sein Geld hingegen auf anderen Wegen, auch weil es dem Softwarekonzern aus Redmond nie gelungen ist, mit seiner eigenen Suchmaschine Bing und den eigenen Online-Marketing-Plattformen ein auch nur annähernd so großes Publikum anzusprechen. Während Google also den Markt für Werbung im Web kontrolliert, ist Microsoft auch nach vielen Jahren und vielen teuren Versuchen nur ein kleines Licht.

Die in dem "Nichtangriffspakt" der beiden Tech-Riesen vereinbarten Mittel, um Auseinandersetzungen möglichst ohne Eingriffe internationaler Behörden oder Regulierer zu lösen, scheinen jedoch nicht mehr zu greifen. Eigentlich sollten die Gespräche zwischen Nadella und Pichai als letztes Mittel herhalten, um den Gang vor die Regulierungsbehörden und massiven Lobbyismus zu vermeiden. Doch mittlerweile dürfen wir uns wohl wieder darauf einstellen, bald wieder Lobbyismus im Stil der vor Jahren mit großem Aufwand betriebenen "Scroogled"-Kampagne zu erleben. Microsoft hat unterdessen auch schon begonnen, seine Rechtsabteilung für die bevorstehende Zeit zu erweitern und vorzubereiten.
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