Microsoft im Wettrennen für bessere Kühlung von Rechenzentren

Nadine Juliana Dressler am 20.06.2021 09:26 Uhr
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Nicht nur bei sommerlichen Temperaturen ist es ein großes Thema: Wie kann man große Rechenzentren effektiv und möglichst "Ressourcen-schonend" kühlen? Microsoft forscht derzeit an einem neuen Ansatz und liefert sich dabei ein Wettrennen mit Start-ups.

Das geht aus einem interessanten Bericht von Bloomberg hervor. Demnach liefern sich verschiedene Start-ups ein Wettrennen mit Microsoft, um bessere Wege zur Kühlung von Rechenzentren zu finden. "Da wir heute viel mehr Daten verarbeiten, werden die Chips drei-, vier-, fünfmal heißer", erläutert David Craig, Geschäftsführer des Britischen Start-ups Iceotope Technologies, das sich mit Kühlstrategien für Computer beschäftigt. In einem Gespräch mit Bloomberg hat er erklärt, was ein Rechenzentrum heute aushalten muss - da wären zum Beispiel massenhaft Videos, E-Mails, Kontoauszüge, Fotos, Warenkörbe, Flugreservierungen und vieles mehr. Diese Daten schwirren im Internet herum und müssen in den Millionen von Rechenzentren, die über den ganzen Globus verstreut sind, verarbeitet werden. Die Rechenzentren sind heute dabei viel stärker ausgelastet, als man noch vor wenigen Jahren oder auch Monaten geplant hatte - und sie werden immer heißer.

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"Unterwasserwolke": Microsoft ist bereit für Server im Meer

Eine Lösung gegen das Hitzeproblem hat Microsoft bereits vor einigen Jahren präsentiert. Der Konzern versenkt Rechenzentren im Meer. Das umfließende Wasser sorgt für Kühlung ohne Verunreinigungen und Strombedarf. Das Start-up von David Craig hat eine andere Lösung für die Hitze: Eine Flüssigkeit, die die Kerne der Prozessoren umspült, um sie auf relativ kühlen 50 Grad Celsius zu halten.

Microsoft betreibt derzeit weltweit mehr als 200 Rechenzentren. Man testet dabei nun auch solche Systeme, bei denen die Server direkt in einer heißen Flüssigkeit gebadet werden, die keinen Strom leitet. Das Unternehmen schätzt, dass die Flüssigkeitskühlung es ermöglichen könnte, die 10-fache Rechenleistung auf gleichem Raum unterzubringen.

Verschiedene Ansätze

Mindestens ein Dutzend kleinerer Start-ups wie das britische Iceotope Technologies haben sich dem Kampf angeschlossen und gehen dabei ganz verschiedene Wege. Iceotope hat mit Lenovo dabei nun auch einen potenten Partner gefunden, steht aber noch am Anfang der Umsetzung. Das spanische Unternehmen Submer Technologies hingegen verkauft bereits versiegelte Pods, die mit Servern gefüllt sind, die dann in einer nicht leitenden Flüssigkeit gebadet werden und direkt an ein Netzwerk angeschlossen werden können.

Laut dem Unternehmen kann die überschüssige Wärme dann noch genutzt werden, um Gebäude in der Nähe zu erwärmen (Heizung und Wasser). Die Technologie verlängert zudem die Lebensdauer des Computers, da kein Staub den Prozessor erreicht.

Andere Unternehmen, wie das in den Niederlanden ansässige Incooling, verwenden eine Flüssigkeit, die erst in ein Gas umgewandelt wird, bevor sie wieder in eine Flüssigkeit abgekühlt und in den Kreislauf zurückgeführt wird, um Wärme zu absorbieren. All diese Systeme haben eines gemeinsam: Sie können mehr Leistung auf weniger Raum ermöglichen, stärker und umweltschonender kühlen. Welche Technik sich durchsetzt, bleibt spannend.

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