Engpass bei Chips öffnet zunehmend auch Fälschern Tür und Tor

Christian Kahle am 17.06.2021 11:25 Uhr
Die immer länger anhaltenden Engpässe auf dem Halbleitermarkt sorgen für ein weiteres Problem: Die Hersteller, Großhändler und Abnehmer müssen zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um Fälschern kein zu leichtes Spiel zu machen.

Je länger die Krise anhält, umso unvorsichtiger dürften verschiedene Unternehmen werden. Wie der Experte für gefälschte Elektronik, Diganta Das vom Center for Advanced Life Cycle Engineering (CALCE), gegenüber dem US-Magazins ZDNet ausführte, betrifft dies vor allem mittelständische Unternehmen, denn die großen IT-Hersteller verfügen über vergleichsweise robuste Lieferketten und benötigen auch Mengen, die Produktfälscher in der Regel ohnehin nicht liefern können.

Bei kleineren Unternehmen sieht das aber anders aus. "Wenn man in der nächsten Woche 5000 Stück braucht oder die Produktion anhalten muss, kommt es zu Notkäufen, bei denen die Aufmerksamkeit sinkt", erklärte er. Hier sei es wahrscheinlich, dass Produzenten auch keine umfassenderen Tests mehr durchführen, sondern schnellstmöglich die Fertigungsabteilungen versorgt. Bis dann auffällt, dass es ein Problem mit den Komponenten gibt, sind die Produkte meist schon beim Kunden angekommen.

Eile ist kein guter Ratgeber

Entsprechend dauert es oft einen Moment, bis solche Unternehmen das Problem bemerken und an die entsprechenden Stellen zurückmelden. Das geht aber davon aus, dass die Fälschungs-Datenbanken in den kommenden Monaten eine deutlich steigende Zahl von Fällen verzeichnen werden. Und je länger die Engpässe anhalten, umso weiter wird sich das Problem verschärfen.

Wirklich etwas dagegen tun lässt sich nur bedingt. Es wäre natürlich möglich, zu versuchen, den eigentlichen Hersteller der angebotenen Chips auszumachen. Wer allerdings bei großen Handelsplattformen kauft, kommt hier nur selten schnell zum Ziel, da die Produkte oft schon die Hände mehrerer Zwischenhändler durchlaufen haben. Wenn man dringend an Komponenten kommen muss, um einen Stillstand in der Produktion abzuwenden, kommt man oft überhaupt nicht bis ans Ende der Kette oder läuft Gefahr, dass ein anderer Interessent das verfügbare Kontingent wegschnappt.

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