Großer Chip-Tester muss wegen vieler Corona-Infektionen schließen

Roland Quandt am 04.06.2021 14:13 Uhr
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Die steigenden Corona-Infektionszahlen haben jetzt erstmals größere Auswirkungen auf die Chip-Lieferkette. Bei einem der größten Chip-Testing-Dienstleister gab es offenbar einen größeren Ausbruch, so dass die Produktion stillgelegt werden musste.

Wie der japanische Wirtschaftsdienst NikkeiAsia berichtet, hat der taiwanische Chip-Dienstleister King Yuan Electronics Company (KYEC) unter seinen mehr als 7300 Mitabeitern eine größere Zahl von Coronavirus-Infektionen festgestellt. Das Unternehmen ist wichtiger Teil der Lieferkette vieler namhafter Hersteller, zu denen unter anderem Qualcomm, Intel, Nvidia und MediaTek gehören.

Zwei Werke stehen für zwei Tage still

KYEC hat nach eigenen Angaben, auch auf Druck der taiwanischen Gesundheitsbehörden, die vorrübergehende Schließung von zwei Werken in den Städten Miaoli und Hsinchu beschlossen. Diese machen rund 80 Prozent des gesamten Umsatzes des Unternehmens aus und sollen nun für zunächst zwei Tage nicht mehr arbeiten. Das Unternehmen will in dieser Zeit alle Anlagen und sämtliche Teile der Arbeitsumgebung an den Standorten reinigen und desinfizieren lassen.

KYEC ist als Dienstleister für diverse Firmen tätig und übernimmt zum Beispiel das Binning, Burn-In-Testing und diverse andere Aufgaben, die in der Chip-Produktion von großer Bedeutung sind. Nach Angaben der Firma wird der Coronavirus-Ausbruch in der Belegschaft vor allem im Juni für deutliche Auswirkungen sorgen, so dass nicht sicher ist, wie schnell die Arbeit nach der Pause wieder aufgenommen werden kann.

Die von den Corona-Infektionen bei KYEC betroffenen Menschen sind vor allem Gastarbeiter, die aus Ländern wie den Phillippinen stammen und vor Ort in der Nähe der Werke in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. Bei ersten Tests unter den rund 7300 Mitarbeitern wurden bis zuletzt bereits 77 Infektionen festgestellt. Noch wurden aber nicht alle Mitarbeiter auch wirklich getestet, so dass die Zahl weiter steigen könnte.

Die Regierung will nun die Lebensbedingungen der Gastarbeiter bei den Chipfirmen prüfen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen, um sie besser zu schützen. Taiwan erlebt derzeit erstmals eine größere Welle von Covid-Erkrankungen, nachdem man lange weitestgehend unbeschadet durch die Pandemie gekommen war. Auslöser waren unvorsichtige Mitarbeiter einer Fluglinie und eines Hotels, die sich nicht an Quarantänebestimmungen gehalten und sich im Nachtleben bewegt hatten.

Angesichts der massiven Engpässe durch die extreme Auslastung in der Chipindustrie ist die Situation ohnehin sehr angespannt, so dass Ausfälle in der Produktion und der Lieferkette für enorme zusätzliche Probleme sorgen könnten.
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