Epic zieht mit Veteranin des Microsoft-Prozesses gegen Apple

Christian Kahle am 04.05.2021 08:22 Uhr
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In Redmond dürfte man dieser Tage hellhörig werden, wenn Nachrichten rund um das beginnenden Verfahren Epic Games vs. Apple auftauchen. Denn auf Seiten des Spieleherstellers steigt eine Anwältin in den Ring, an die man sich mit Unbehagen erinnert.

Christine Varney wird Epic in der Auseinandersetzung gegen Apple vertreten, berichtet das US-Magazin GeekWire. Sie ist regelrecht spezialisiert darauf, sich mit großen Konzernen anzulegen. Eines ihrer früheren Meisterstücke war dabei sicherlich das Kartellverfahren gegen Microsoft, das im Jahr 2001 begann. Damals war sie als Vertreterin des Browser-Anbieters Netscape an dem Prozess beteiligt, der laut dem ersten Urteil eigentlich zu einer Zerschlagung Microsofts hätte führen sollen.

Erst in den weiteren Instanzen konnte aus Sicht der Redmonder zumindest dieses Schicksal abgewandt werden. Trotzdem war der gesamte Rechtsstreit aus Sicht Microsofts natürlich eine Katastrophe. Denn am Ende standen immer noch hohe Strafzahlungen und diverse Auflagen, denen sich der Konzern über Jahre mit entsprechender Aufsicht beugen musste.

Bedeutender Rechtsstreit

Und seit dem Prozess gegen Microsoft hat Var­ney weitere Erfahrungen im Bereich der Aus­ei­nan­der­set­zung mit mächtigen Un­ter­neh­men ge­won­nen. Sie gehörte beispielsweise unter der Obama-Regierung zum Team der Staats­an­walt­schaft des US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums. Aller­dings gilt sie hier auch nicht als Scharf­ma­che­rin. Var­ney nahm eher eine vermittelnde Rolle zwischen je­nen ein, die dem Markt freien Lauf lassen woll­ten, und denen, die ein stärkeres staatliches Ein­grei­fen in monopolitische Tendenzen for­der­ten. Dort, wo es notwendig erscheint, kann sie aber zu einer erbitterten Gegnerin werden.

Unter Rechtsexperten wird die anstehende Auseinandersetzung zwischen Apple und Epic bereits als ähnlich bedeutungsvoll angesehen, wie das Kartellverfahren gegen Microsoft vor 20 Jahren. Denn der Ausgang des Prozesses kann Weichen stellen, wie zukünftig mit der Rol­le der Plattform-Betreiber umgegangen wird, die heute eine deutlich wichtigere und um­fas­sen­de­re Gatekeeper-Funktion erfüllen, als es damals bei Microsoft der Fall war.

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