Indien pragmatisch: Wer ein Chipwerk baut bekommt 1 Milliarde Dollar

Christian Kahle, 01.04.2021 09:56 Uhr 4 Kommentare
Alle Staaten versuchen, mit mehr oder weniger subtilen Subventionen Unternehmen zu überzeugen, neue Standorte im eigenen Territorium zu errichten. Indien legt dabei nun sämtliche Scheu ab und stellt Chipherstellern einen satten Zuschuss in Aussicht. "Die Regierung gibt jedem Unternehmen, das eine Chipfabrik aufbaut, eine Geldprämie von über einer Milliarde Dollar", erklärte ein hochrangiger Regierungsvertreter, der allerdings nicht namentlich genannt werden wollte, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Und selbst das ist nur ein Teil dessen, womit die indische Regierung mehr High Tech-Unternehmen ins Land locken will.

In welcher Form das Geld an die Unternehmen gehen soll, steht noch nicht fest. Das Thema werde aktuell noch mit der Industrie diskutiert. Darüber hinaus sollen Chiphersteller, die in Indien produzieren, auch Aufträge aus der öffentlichen Hand erhalten. Hinzu kommt, dass auch der privatwirtschaftliche Sektor angewiesen wird, bevorzugt bei Zulieferern einzukaufen, die in Indien produzieren.

Geld vs. Infrastruktur

Durch die massiven Subventionen will Indien auf der einen Seite über­haupt weiter im Tech­nologie-Segment voran­kommen, aber vor allem auch unab­hängiger von China werden. Das Land ist bereits zum zweit­größten Smart­phone-Hersteller nach den Chine­sen auf­gestie­gen, verschie­dene große Marken betrei­ben bereits eigene Werke in Indien. Aktuell sind diese aber ebenso wie andere Indust­rien noch oft darauf ange­wiesen, dass Kompo­nenten aus China geliefert werden. Das soll sich perspek­tivisch deutlich ändern.

Allerdings wird sich zeigen müssen, ob die Subventionen ausreichen, um Halbleiter-Unternehmen anzulocken - denn diese zögerten bisher aus klar zu benennenden Gründen. In erster Linie ist hier die schwach ausgebaute Infrastruktur und insbesondere eine unsichere Stromversorgung zu nennen. Solch sensible Fertigungs-Bereiche wie die Chipproduktion sind aber auf verlässliche Energieflüsse angewiesen. Darüber hinaus wird auch die ausufernde Bürokratie und das schlechte Planungswesen immer wieder als Hinderungsgrund für eine Ansiedlung in Indien vorgebracht.

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