Die Energiewende muss achtmal schneller vorankommen als heute

Christian Kahle, 16.03.2021 11:39 Uhr 17 Kommentare
Der Ausbau der Energieerzeugung aus regenerativen Quellen geht viel zu langsam voran. Um die menschengemachte Klimaerwärmung im Einklang mit den Zielen des Pariser Abkommens zumindest aufzuhalten, muss die Wachstumsrate achtmal höher werden als heute. Das Machbarkeitsfenster schließe sich ziemlich schnell, erklärte Francesco La Camera, Chef der International Renewable Energy Agency (Irena), laut einem Bericht der britischen Ta­ges­zei­tung The Guardian. Es bedürfe dringender Handlungen, um vor allem auch mit der stei­gen­den Nachfrage nach elektrischer Energie mitzuhalten. Denn die Zeit ist aktuell die wich­tig­ste Va­ri­a­ble in den Modellen für die zukünftige Entwicklung.

Es sei unbedingt nötig, dass klimafreundlich erzeugte elektrische Energie die fossilen Brenn­stof­fe noch vor 2050 als wichtigste Quelle ablöst. Immer mehr Volkswirtschaften schwen­ken auf diesen Weg ein, allerdings in nahezu allen Fällen nicht mit ausreichender Kon­se­quenz und Geschwindigkeit. Laut dem aktuellen Bericht der Organisation muss der Anteil der elek­tri­schen Energie im gesamten Energiemix von 21 Prozent im Jahr 2018 auf über 50 Prozent im Jahr 2050 steigen. Parallel dazu muss der Anteil der fossilen Brennstoffe, die 2018 noch zu zwei Drittel des Energiemixes beitrugen, auf maximal 10 Prozent sinken.

Ersatz muss ohnehin her

Laut der Irena führt an der Energiewende oh­ne­hin kein Weg vorbei - denn die Ölförderung ha­be ihren Zenit bereits überschritten und be­fin­de sich im Abwärtstrend. Und auch Peak Gas wird demnach wohl binnen der kommenden drei Jahre erreicht werden. Es wird immer schwie­ri­ger und ineffizienter, den Bedarf wei­ter­hin zu decken, weshalb es auch ohne die Klima­kri­se nötig sei, die Ener­gie­ver­sor­gung in ganzer Breite umzustellen. Es bedürfe allerdings einer zügigen Umsetzung, um die Lebensbedingungen für die Menschheit zu erhalten.

Irena geht in ihren Prognosen davon aus, dass die Energiewende weltweit bis 2050 rund 131 Billionen Dollar kosten wird. Das klingt nach einer enormen Summe, die aber letztlich auch nicht für sich allein betrachtet werden kann. Denn die Investitionen in erneuerbare Ener­gie­trä­ger haben bereits zur Entstehung einer weitgehend neuen Branche mit weltweit Mil­li­o­nen von Arbeitsplätzen geführt. Hinzu kommt, dass die Kosten, die durch die immer gra­vie­ren­de­ren Auswirkungen der Klimakrise auf die Volkswirtschaften zukommen, in den kom­men­den Jahren noch gravierend steigen werden.

Siehe auch:

17 Kommentare lesen & antworten
Folge WinFuture auf Google News
Verwandte Themen
Stromversorgung
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2023 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies