Jeder Fünfte nutzt Fax: Viele Ärzte stecken noch in digitaler Steinzeit

Witold Pryjda am 02.02.2021 18:19 Uhr
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Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Kontaktbe­schrän­kungen haben auch Arztbesuche verändert, denn dieser Tage geht man nicht dahin, wenn es nicht unbedingt sein muss. Doch die Praxen selbst sind technisch vielfach noch im finsteren Mittelalter.

"Dank" Covid-19 können sich Menschen heutzutage auch telefonisch krankschreiben lassen. Das scheint die größte Errungenschaft zu sein, wenn man der Pandemie etwas Gutes abgewinnen will. Doch das ist es auch vielfach schon. Denn eine von der Bitkom gemeinsam mit dem Ärzteverband Hartmannbund durchgeführte Umfrage (PDF) zeigt, dass der Aufbruch ins vielzitierte "Neuland" gerade in Arztpraxen vielfach noch bevorsteht.

Beteiligt waren mehr als 500 Ärzte und sie wurden u. a. gefragt, wie sie Kontakt zu Arztpraxen, Apotheken und Patienten halten. Mehr als ein Fünftel (22 Prozent) meinte, dass im Fall von Arztpraxen ein Fax zur Kommunikation zum Einsatz kommt oder kommen muss, 19 Prozent schicken einen Brief auf den Weg. Digitale Kanäle nutzen gerade einmal fünf Prozent. Dieser Wert ändert sich auch nicht signifikant, wenn man die Ärzte auf Kommunikation mit Patienten anspricht, hier steigt lediglich Telefonnutzung (auf 77 Prozent).

Video-Sprechstunden im Kommen

Video-Sprechstunden sind und bleiben bei Praxisärzten eine Ausnahme: Denn gerade einmal sechs Prozent gaben an, dass sie einen solchen Dienst bereits vor Corona angeboten haben, elf Prozent machen das seit dem Ausbruch der Pandemie. Immerhin: Satte 40 Prozent können sich das künftig vorstellen, 36 Prozent schließen so etwas hingegen kategorisch aus.

Ein Großteil der Ärzte macht auch gute (42 Prozent) und sehr gute (16 Prozent) Erfahrungen mit Video-Sprechstunden. Gleichzeitig sind insgesamt 40 Prozent davon nicht angetan.

Insgesamt gibt es durchaus signifikante Unterschiede zwischen Praxis- und Klinikärzten: Denn 82 Prozent der letztgenannten fordern mehr Tempo beim Ausbau digitaler Angebote in der Medizin. Bei Praxisärzten ist der Anteil deutlich geringer, hier sind es nur 38 Prozent.
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