Minderjährige und Vergewaltigung: Massive Kritik an Pornhub wird laut

Witold Pryjda am 08.12.2020 12:42 Uhr
40 Kommentare
Kritik an Pornhub, der bekanntesten Plattform für erotische und porno­grafische Inhalte, ist nicht neu, doch nun braut sich ein Sturm zu­sam­men, der Folgen haben könnte. Denn in einem Ar­ti­kel wird dem Un­ter­nehmen u. a. die Ausbeutung von Min­der­jäh­ri­gen vorgeworfen.

Pornhub hat Pornografie cool und salonfähig gemacht, so lautet im Allgemeinen die Einschätzung und Anerkennung in der Branche. Das hat man einem cleveren Marketing zu verdanken, wie auch der Artikel der New York Times (NYT) gleich zu Beginn feststellt. Denn Pornhub fällt immer wieder durch virale und aufsehenerregende PR-Maßnahmen auf: Mal kauft man eine riesige Plakatfläche auf dem New Yorker Times Square, mal hilft man, die Straßen von Schnee zu befreien und spendet auch für Anti-Rassismus-Initiativen. Kurz: Pornhub ist ein "gutes" Porno-Portal.

Schwere Vorwürfe

Oder nicht? Denn gegen die Seite, die monatlich auf 3,5 Milliarden Besucher kommt, wurden nun schwere Vorwürfe laut: Der NYT-Artikel wirft Pornhub vor, dass es auch eine andere Seite von Pornhub gäbe: Man verdient an Kinder-Vergewaltigung, Rachepornos, Spy-Cam-Videos, rassistischen und misogynen Inhalten und Gewaltfantasien wie Aufnahmen von Frauen, die mit Plastiktüten "erstickt" werden.

Pornografie im Netz
Infografik: Pornografie im Netz

Der Artikel der New York Times, der offiziell in der Meinungs-Sektion erschienen ist, verlinkt zahlreiche Beispiele für solche Vorfälle, besonders schwerwiegend sind die Vorwürfe im Zusammenhang mit Minderjährigen. So verweist man auf den Fall einer verschwundenen 15-Jährigen, die von der Mutter auf Pornhub und in 58 Sex-Videos gefunden wurde, einen ähnlichen Fall gab es auch mit einem 14-jährigen Mädchen.

In beiden Fällen wurden die Täter verhaftet, Pornhub kam hingegen völlig ungestraft davon. Das liegt natürlich daran, dass das Portal nach dem YouTube-Prinzip arbeitet, also (vielfach) mit nutzergenerierten Inhalten und damit Uploads. Das Problem ist aber: Pornhub kann bei­spiels­wei­se alles andere als gut überprüfen, wie alt jemand in einem solchen Inhalt ist, zudem bietet man die Möglichkeit an, die Videos di­rekt he­run­ter­la­den zu können.

Nicht nur Videos Minderjähriger sind ein Problem, sondern vor allem auch Vergewaltigungsinhalte. Es gibt viele Videos, in denen Angriffe auf Frauen gespielt sowie Missbrauch auch tatsächlich durchgeführt wird. Der NYT-Artikel ist voller ekliger Details und das hat auch bereits Folgen: Denn Mastercard hat angekündigt, den Vorwürfen nachgehen zu wollen. Der Zahlungsriese ist nicht direkt an Pornhub beteiligt, man kann aber per Kreditkarte auf Pornhub Premium-Abos abschließen.

Pornhub dementiert die Vorwürfe und behauptet, dass Moderatoren jeden einzelnen Upload vor der Freischaltung prüfen. Pro Jahr werden auf Pornhub etwa sechs Millionen Videos hochgeladen, das sind fast zwölf Videos pro Minute. Berechnungen zufolge bräuchte Pornhub zwischen 500 und 1000 in Sachen Pornografie ausgebildete und fachkundige (Stichwort: legitime Fetisch-Videos) Moderatoren, um das bewältigen zu können - und es gibt erhebliche Zweifel, dass es so viele sind.
40 Kommentare lesen & antworten
Jede Woche neu: Top-News per E-Mail
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2021 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies