The Pirate Bay-Mitgründer warnt vor "mafiaähnlicher" Copyright-Lobby

Witold Pryjda, 30.11.2020 17:34 Uhr 3 Kommentare
Peter Sunde, einer der Gründer des berühmtesten Torrent-Trackers der Welt, The Pirate Bay, hat mit der Plattform nichts mehr zu tun, das The­ma Filesharing lässt ihn aber nicht los. Aktuell hat er einen Brief geschrieben, in dem er die Urheberrechtsindustrie scharf angreift. Der Brief (PDF), der an das US-amerikanische Außenhandelsministerium ging, wurde nicht zufällig an das Office of the United States Trade Representative (USTR) adressiert. Denn das USTR veröffentlicht alljährlich die Liste "berüchtigter Märkte", darin führt man die Orte und Online-Angebote auf, an denen im großen Stil gegen Urheberrechte verstoßen wird. Das können Produktfälschungen sein, aber auch Piraterie-Plattformen und ähnliches.

Grund für Sundes Ärger ist der Umstand, dass er an Projekten beteiligt ist, die erneut ins Visier der Content-Industrie geraten sind: Genauer gesagt sind es Njalla, ein Registrar für anonyme Domains, sowie der VPN-Anonymisierungsdienst IPredator. In beiden Fällen ist der Fall natürlich bei weitem nicht so eindeutig wie im Fall von The Pirate Bay und entsprechend sauer ist Sunde auch.

Wie TorrentFreak berichtet, verteidigt Sunde Njalla, das auf der USTR-Liste gelandet ist, nicht pauschal, sondern geht in die Offensive über und schießt scharf gegen US-Großkonzerne im Internet. Sunde meint, dass seine Projekte das Ziel haben, die Freiheit des Internets zu bewahren, während US-Unternehmen das Netz zentralisieren und beschränken wollen.

"Information ist ein Eckpfeiler"

Sunde: "Wir leben jetzt in einer Welt der Fake News und Trollen als Präsidenten. Wir können das Recht auf Information nicht als selbstverständlich hinnehmen. Wir sollten die Kontrolle über Informationen, in welcher Form auch immer, nicht zentralisieren." Sunde greift die Lobby-Bemühungen an, erwähnt Njalla aber mit keinem Wort.

Es ist auch ein glühendes Plädoyer für die Freiheit des Internet: "Information ist der Eckpfeiler unseres kulturellen Erbes, unserer Demokratie, unseres gemeinsamen Wissens und unserer gemeinsamen Sprache. Dies sollte nicht etwas sein, wofür ein paar opportunistische reiche Lobbyorganisationen das Recht bekommen sollten, Bedingungen zu diktieren. Zu behaupten, dass im Grunde die Hälfte des Internets, die Hälfte der Welt, Feinde des eigenen Geschäftsmodells sind, sollte eher ein Weckruf sein, um zu erkennen, dass dieses Geschäftsmodell archaisch ist und dass es Zeit ist, sich der Realität anzupassen."

Sunde meint, dass diese Organisationen "unsere globale Demokratie bereitwillig aufs Spiel setzen" und schließlich: "Solange diese mafiaähnlichen Organisationen freie Hand über den Diskurs über immaterielle Rechte haben, werden sie weder ihre Macht noch ihr Geld an die vorgesehenen Empfänger abtreten. Dies sind keine rechtschaffenen Organisationen. Sie sind nicht die Stimme des Volkes. Dies sind keine gewählten Amtsträger. Sie sind das Gegenteil davon."

Siehe auch: Berüchtigte Piraterie-Seiten - Kritik an Warnliste, ist eher Gratiswerbung
3 Kommentare lesen & antworten
Folge WinFuture auf Google News
Verwandte Themen
Filesharing The Pirate Bay
Desktop-Version anzeigen
Hoch © 2023 WinFuture Impressum Datenschutz Cookies