Ermordeter Vegan-Aktivist entpuppt sich als vermisster Nazi-Spam-King

Christian Kahle am 11.11.2020 10:24 Uhr
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Eine der skurrilsten Karrieren der Spammer-Szene ist bereits vor drei Jah­ren zu Ende gegangen. In Kanada konnte ein Mord-Opfer jetzt als die Person identifiziert werden, die vor vielen Jahren als Nazi-Spam-King ei­ni­ge Bekanntheit erlangte.

Bei dem Mann handelt es sich um Davis Wolfgang Hawke. Das konnte der Abgleich von DNA-Proben mit Vermisstenfällen jetzt zeigen. Die Behörden in British Columbia gingen lange da­von aus, dass es sich bei einer Leiche mit Schussverletzungen, die im Sommer des Jahres 2017 in einem ausgebrannten SUV gefunden wurde, um den progressiven, veganen Ak­ti­vis­ten Jesse James handelt. Wie sich nun herausstellte, war James nur eine neue Iden­ti­tät des Mannes, der eigentlich aus einer ganz anderen Richtung kam. Das geht aus einem Bericht von Brian Krebs hervor.

Hawke wurde als Andrew Britt Greenbaum, ein Sohn jüdischer Eltern, geboren. Die Na­mens­än­de­rung ließ er vollziehen, da er sich ideologisch zu der Neonazi-Szene in den USA hin­ge­zo­gen fühlte. Um die Jahrtausendwende herum gehörte er außerdem zum Kreis jener Per­so­nen, die die schnell steigenden Nutzerzahlen im Internet missbrauchten, um als Spam­mer mög­lichst viel Geld zu verdienen. Vor allem Pornographie und pflanzliche Viagra-Al­ter­na­ti­ven gehörten zu den Produkten, die Hawke in Massenaussendungen von E-Mails bewarb.

Davis Wolfgang Hawke
Davis Wolfgang Hawke (Bild: Spam Kings von Brian McWilliams)

Goldsuche erfolglos

Der Internet-Konzern AOL konnte im Jahr 2005 einen Prozess gegen den Spammer gewinnen und bekam eine Entschädigung von 12,8 Millionen Dollar zugesprochen, die aber nicht direkt eingetrieben werden konnten. Das Unternehmen erhielt sogar die Genehmigung zu Such- und Grabungsarbeiten auf dem Grund­stück der Eltern Hawkes - denn dieser hatte gegenüber Freunden immer wieder erklärt, dass er den Banken nicht traue und sein Geld daher in Edelmetallen anlege. Man hofft daher, die fraglichen Gold- und Platin-Barren irgendwo zu finden - dies war aber nicht der Fall.

Unter dem Namen Jesse James, unter dem Hawke über Jahre in Kanada lebte, hatte der Mann sogar noch ein Buch geschrieben. Glaubte man der Autoren-Biographie, hatte man es mit einer Person zu tun, die als Offizier in der Israeli Defense Force gedient und anschließend in theoretischer Physik an der Stanford-Universität promoviert hatte. Über die Hintergründe seiner Ermordung ist bisher nichts bekannt. Die Ermittlungen laufen. Die wechselhafte Biographie lässt allerdings vermuten, dass sich Hawke in den letzten Jahrzehnten diverse Feinde gemacht hat.

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