Spannende Idee: Forscher planen Solardächer für Autobahnen

Witold Pryjda, 29.07.2020 14:52 Uhr 55 Kommentare
Die Elektromobilität erlebt derzeit einen enormen Popularitätsschub. Doch das Ganze hat auch einen "Preis", denn der Strom muss natürlich auch erst einmal produziert werden. Ein Forschungsprojekt hat dazu eine überaus interessante Idee. Deutschland hat knapp 13.000 Kilometer an Autobahnen. 3383 Kilometer sind sechs- oder mehrspurig, 9610 Kilometer haben vier Fahrstreifen. Eine Spur hat in der Regel eine Breite von 3,75 Metern (manchmal etwas weniger; 3,5 Meter). Das ergibt, wenn man das Milch­mädchen rechnen lässt und u. a. Baustellen und Autobahnkreuze nicht berücksichtigt, eine Fläche von 337 Quadratkilometern. Das sind 33700 Hektar. Oder anders gesagt: verdammt viel einseitig genutzte Fläche.

Solardach soll kein "Tunnel" sein

Ein Forschungsprojekt hat sich Gedanken gemacht, wie man diese Fläche sinnvoll nutzen könnte und die Idee des Austrian Institute of Technology (AIT) ist mehr als interessant (via Der Spiegel). Denn die Wissenschaftler wollen Autobahnen mit einem Solardach überspannen.

Solardach für die Autobahn (Labor3)
Das Schweizer Architekturbüro Labor3 hat eine ganz ähnliche Idee bereits 2011 visualisiert

Vorteile hätte eine solche Überdachung einige: "Autobahnen sind ein guter Standort, um Solarstrom zu gewinnen, da man eine bereits versiegelte Fläche nutzt", sagte Martin Heinrich vom am Projekt beteiligten Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme (ISE). Eine signifikante Verdunklung hätten Autofahrer nicht zu befürchten, denn die Forscher wollen lichtdurchlässige Module einsetzen. Diese sind auch nur minimal weniger effizient als die herkömmlichen Zellen.

Nach Berechnungen der Forscher ließen sich - bei einer flächendeckenden Überdachung - pro Jahr in etwa 41,5 Terawattstunden Solarenergie erzeugen, das wäre in etwa ein Drittel des jährlichen Bedarfs privater Haushalte.

Teurer Aufbau und mehr Wartung

Freilich ist ein solches Solardach kein Selbstläufer, da der Aufbau verhältnismäßig teuer wäre. Außerdem hätte eine Überdachung nicht nur Vorteile: Zwar würde es die Fahrbahn vor Sonne und Regen schützen, die Fahrbahn verlöre auf dieses Weise aber gleichzeitig an Grip. Die Autobahn müsste entsprechend häufiger gereinigt werden, auch das wäre ein Kostenfaktor.

Diese und andere Punkte will sich aber eben das österreichische Forschungsprojekt ansehen. Neu ist die Idee übrigens nicht: Bereits 2011 visualisierte das Architekturbüro Labor3 eine ganz ähnliche Umsetzung. Die damalige Kalkulation: "Das 'A4-KW' würde 10 km lang, sehr vorsichtig gerechnet 300 Mio. Franken kosten und 40 Mio. kWh Strom pro Jahr produzieren", so Labor3 auf seiner Webseite.
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