Druck aus China? Zoom zensiert Gedenken an Tian'anmen-Massaker

Witold Pryjda, 11.06.2020 17:01 Uhr 1 Kommentare
Die Video-Konferenz-Lösung Zoom konnte sich in den vergangenen Wo­chen über eine regelrechte Nutzerexplosion freuen. Doch das Unter­neh­men gerät auch immer wieder in die Negativschlagzeilen, aktuell geht um das Sperrung eines Kontos China-kritischer Menschrechtsaktivisten. Am 4. Juni 1989 kam es in der chinesischen Hauptstadt Peking am zentralen Platz Tian'anmen zu einem Massaker, bei dem die von Studenten angeführte Demokratiebewegung nach tagelangen Protesten brutal niedergeschlagen wurde. Wie viele Menschen das Leben lassen mussten, ist bis heute nicht eindeutig klar, je nach Quelle war es eine drei- oder vierstellige Anzahl an Toten.

Der Tragödie und den damaligen Protesten wollte vor kurzem eine Gruppe namens Humanitarian China in einer Zoom-Videokonferenz gedenken. Wenige Tage danach, am 7. Juni, wurde das (Bezahl-)Konto der Organisation jedoch gesperrt. Nach einem Bericht von Axios (via PC Mag) gab Zoom dafür zunächst auch keine Erklärung, auf Anfragen reagierte man nicht.

Zoom ist ein US-Unternehmen

Humanitarian China schreibt in einer Pressemitteilung, dass man "empört" sei, dass man von einem US-amerikanischen Unternehmen so behandelt wird. Zoom hat mittlerweile auf die Presseberichte reagiert und leugnet nicht, dass man das Konto aus dem Verkehr gezogen hat. Die Erklärung dürfte Kritiker dieser Sperre jedoch kaum zufriedenstellen.

Denn Zoom sagte, dass man "wie jedes andere globale Unternehmen" die jeweils vor Ort geltenden Gesetze befolgen müsse. "Wenn ein Meeting in verschiedenen Ländern stattfindet, müssen die Teilnehmer in diesen Ländern ihre jeweiligen lokalen Gesetze einhalten", so Zoom.

Im Fall von Humanitarian China bedeutete das, dass das Gedenken etwa 250 Teilnehmer hatte, viele davon waren aus China zugeschaltet. Nun wird das Tian'anmen-Massaker von der Pekinger Führung streng zensiert, eine tatsächliche spezifische gesetzliche Grundlage gibt es dafür jedoch nicht bzw. unterliegt das einer generellen Staatszensur. Zoom wird deshalb vorgeworfen, hier im Hinblick auf den chinesischen Markt mit vorauseilendem Gehorsam agiert zu haben. Unklar ist überdies, wie Zoom von dieser Videokonferenz erfahren hat und wie man herausgefunden hat, dass Teilnehmer teilweise in China sitzen.

Siehe auch: Zoom - Keine Sicherheit für alle, um der Polizei Schnüffeln zu erleichtern

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