Huawei-Embargo mit Folgen: CPU-Partner lässt Produktion auslaufen

Roland Quandt am 18.05.2020 13:25 Uhr
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Die verschärften Vorgaben des US-Embargos gegen Huawei haben schon wenige Tage nach ihrer Verkündung Ende letzter Woche direkte Folgen: Der wichtigste Partner für die Fertigung von Huaweis Prozes­soren hat mit sofortiger Wirkung reagiert und nimmt keine neuen Aufträge an.

Wie der japanische Wirtschaftsdienst Nikkei Asian Review meldet, nimmt die Taiwan Se­mi­con­duc­tor Manufacturing Co. (TSMC) keinerlei Bestellungen von Huawei mehr an. Das Un­ter­neh­men reagiert damit auf die erst am Freitag verkündeten neuen Einschränkungen durch die USA, laut denen keine Produkte, die unter Verwendung von Technologien amerikanischer Her­stel­ler gefertigt wurden, mehr an Huawei geliefert werden dürfen.

Amerikanische Regeln gelten plötzlich auch für nicht-amerikanische Firmen

Dies betrifft auch nicht-amerikanische Firmen und macht damit für TSMC die Kooperation mit Huawei nicht mehr möglich, da der weltgrößte Chip-Vertragsfertiger in seiner Produktion vor allem auf Maschinen US-amerikanischer Spezialfirmen setzt. Um die jetzt angepasste so­ge­nann­te Foreign Direct Product Rule vollumfänglich einzuhalten, hat TSMC derzeit keine andere Möglichkeit, als keine Aufträge mehr von Huawei anzunehmen.

Wafer-Produktion bei TSMC (Quelle: TSMC)

Der Chipfertiger ist der wichtigste Partner des chinesischen Smartphone-Riesen, denn TSMC übernahm bisher die Fertigung der SoCs der Huawei Kirin-Serie, darunter auch die High-End-Varianten wie der Kirin 970, 980 und 990, die allesamt in extrem kleinen Strukturbreiten pro­du­ziert wurden und nur auf modernsten Anlagen gefertigt werden können.

Weil die USA bei ihren neuen Regelungen eine Frist von 120 Tagen für die Erfüllung vor­han­de­ner Aufträge gesetzt haben, erhält Huawei wohl noch einige Chips von TSMC. In Fäl­len, in denen die Produktion bereits begonnen und in denen TSMC die Bestellungen vor den neuen Einschränkungen angenommen habe, werde man daher noch bis ungefähr Mitte Sep­tem­ber Chips an Huawei liefern.

China droht mit Gegenmaßnahmen

TSMC ist von den neuen US-Vorgaben schwer betroffen, weil Huawei bisher der zweitgrößte Kunde des Fertigungspartners war. Von chinesischer Seite war als Reaktion auf die neuen Re­geln aus Washington zu hören, dass man darin eine große Bedrohung für die in­ter­na­tio­na­len Lieferketten sehe. Gleichzeitig forderte China eine Rücknahme der neuen Ein­schrän­kun­gen und drohte mit Gegenmaßnahmen, falls dies nicht umgesetzt werde.

Dass die USA ihre Drohung einer Verschärfung der Foreign Direct Product Rule wahr machen würden, war angesichts der diversen mehr oder weniger unverhohlenen Warnungen vor einer angeblichen Bedrohung der "nationalen Si­cher­heit" eigentlich nur eine Frage der Zeit. Huawei hatte deshalb schon vor geraumer Zeit be­gon­nen, wichtige Chips und andere Produkte auf Halde zu legen, um für den Ernstfall vorbe­rei­tet zu sein.

Inzwischen sucht der Konzern verstärkt nach alternativen Partnern, sei es in der Entwicklung oder aber bei der Fertigung seiner Chips. Un­ter anderem hat man die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Chipfertiger SMIC aus­ge­baut und zuletzt gab es außerdem Gerüchte, dass Huawei mit dem französisch-ita­lie­ni­schen Chip-Entwickler STMicroelectronics zusammen an neuen Plattformen arbeiten will.

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