1$ & 10min: Infektions-Spezialisten aus Afrika bauen neuen Corona-Test

Christian Kahle, 17.03.2020 08:29 Uhr 10 Kommentare
Um die Corona-Epidemie in den Griff zu bekommen, werden nicht nur Me­di­kamente und eine Impfung benötigt, sondern möglichst auch bessere Test­verfahren. In diesem Bereich scheint es jetzt einen Durchbruch zu ge­ben: 10 Minuten bei Kosten von 1 Dollar. Ein entsprechender Erfolg scheint dort wahrscheinlich, wo sich Forscher und Mediziner ohnehin schon lange mit minimalem Budget um das schwerste Aufkommen von Infektionskrankheiten kümmern müssen: Im afrikanischen Senegal will der Molekularbiologe Nnaemeka Ndodo vom Institut Pasteur de Dakar andere Testverfahren entsprechend umbauen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Zur Zeit kommen die so genannten PCR-Tests zum Einsatz, die nach dem genetischen Material des Virus fahnden. Die Analysen der Proben dauern recht lange und die Kosten liegen teils bei mehreren hundert Euro. Entsprechend begrenzt sind die Möglichkeiten in Afrika, aktuell leben die Mediziner des Kontinents von einigen zehntausend Test-Kits, die der chinesische Milliardär Jack Ma spendete, in den kommenden Tagen bis Wochen sollen 200.000 weitere Einheiten bereitgestellt werden, die überwiegend vom Berliner Hersteller TIB Molbiol kommen. Das alles ist bei einem ganzen Kontinent der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein.

Produktion in Afrika

Aktuell gibt es aufgrund geringer Fallzahlen noch keine Engpässe, das kann sich aber schnell ändern, wenn die Pandemie richtig übergreift. In Zusammenarbeit mit dem britischen Unternehmen Mologic hat Ndodo ein Verfahren entwickelt, bei dem Technologien von bewährten Malaria-Tests mit der von klassischen Schwangerschaftstests für Zuhause kombiniert werden. Damit könnte das Vorhandensein des Virus binnen zehn Minuten geklärt werden, während das Test-Produkt bei größeren Produktionsmengen gerade einmal rund einen Dollar in der Produktion kosten wird.

Das Verfahren steht allerdings naturgemäß nicht sofort zur Verfügung, sondern es bedarf noch weiterer Prüfungen und Optimierungen, bis auch eine sichere Corona-Erkennung garantiert werden kann. Voraussichtlich im Juli könnten größere Mengen in den Handel gebracht werden. Die Produktion soll in Senegal erfolgen, hier hat das genannte Institut gerade eine eigene Firma namens DiaTropix aufgebaut, die sich auf die Massenherstellung medizinischer Testverfahren spezialisiert hat.

Siehe auch: Trump ruft Corona-Notstand aus, Alphabet-Tochter Verily hilft bei Tests
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