Coronavirus: Elektronikhersteller & Vertragsfertiger reagieren drastisch

Roland Quandt am 30.01.2020 18:36 Uhr
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Die asiatischen Hersteller und Vertragsfertiger stellen sich derzeit auf brei­ter Front darauf ein, dass es aufgrund des Ausbruchs des Corona­virus in China zu massiven Verzögerungen bei der Wiederaufnahme ihrer Arbeit nach dem Neujahrsfest kommen könnte.



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Wie der taiwanische Branchendienst DigiTimes berichtet, reagieren viele der dort ansässigen Hersteller und Vertragsfertiger, die ihre Produkte auf dem chinesischen Festland anfertigen, mit Vorsichtsmaßnahmen, um die Auswirkungen der Ausbreitung der durch den Coronavirus aus­ge­lös­ten Lungenkrankheit zu minimieren.

Der weltweit größte Vertragsfertiger Foxconn, der unter anderem für diverse PC-Hersteller und Smartphone-Anbieter wie Apple, Huawei & Co Geräte baut, hat nach eigenen Angaben ein Kommandozentrum für seine Maßnahmen gegen die Ausbreitung der neuen Krankheit ein­ge­rich­tet. Der Aufsichtsratsvorsitzende Young Liu steht auch dieser Einrichtung vor und erhält im Rahmen täglicher Meetings Informationen zu den von Foxconn ergriffenen Schutzmaßnahmen.

Die chinesischen Werke des taiwanischen Konzerns müssen außerdem drastische Schutzmaßnahmen gegen die Krankheit umsetzen. So werden alle eigentlich aus Taiwan stammenden Mitarbeiter des Unternehmens, die für die Zeit der Neujahrsfeierlichkeiten aus China zurückkehren, zunächst nicht wieder nach China reisen. Sie sollen vorerst vom Hauptquartier des Unternehmens aus arbeiten.

Mitarbeiter, die aus der Stadt Wuhan zurückkehren, wo der Ursprungsort der Ausbreitung des Coronavirus vermutet wird, dürfen vorerst ihre Wohnungen in Taiwan nicht mehr verlassen, heißt es. Sie sollen sich praktisch selbst unter Quarantäne stellen. Darüber hinaus hat Foxconn den Termin für die Wiederaufnahme der Fertigung in allen chinesischen Werken auf den 10. Februar festgelegt und somit die arbeitsfreie Zeit über die Feiertage hinaus verlängert.

Noch lassen sich die Auswirkungen auf die Produktion bei Foxconn angeblich schwer abschätzen, weil die in vielen chinesischen Städten angesiedelten Werke des Konzerns noch nicht wieder normal arbeiten. Nach eigenen Angaben hat Foxconn aber bereits während der Ausbreitung von SARS Anfang der 2000er diverse Erfahrungen mit dem Umgang mit derartigen Krankheiten gesammelt, so dass man heute gut in der Lage ist, flexibel auf ihre Verbreitung zu reagieren.

Beim PC-Hersteller Acer hat man laut dem Bericht ein Treffen der führenden Manager im Haus des Firmenchefs Stan Shih anlässlich des chinesischen Neujahrsfests abgesagt, um der Verbreitung der Krankheit entgegenzuwirken. Stattdessen kommunizierte der Unternehmenschef mit seinen Mitarbeitern nur noch per Videokonferenz. Acer hat außerdem aufgehört, Mitarbeiter nach China zu entsenden.

Der Vertragsfertiger Pegatron, welcher ebenfalls für Apple und diverse andere Marken produziert, hat seinen Mitarbeitern unterdessen die Möglichkeit eingeräumt, selbst über einen Verzicht auf die Rückkehr nach China nach dem Neujahrsfest in Taiwan zu entscheiden. Sollten sich die jeweiligen Mitarbeiter gegen die Rückkehr nach China entscheiden, können sie vorerst im Hauptquartier des Konzerns in Taipeh arbeiten, heißt es.

Wuhan gilt als einer der größten Standorte von Produktionsstätten der Elektronikindustrie. Dort sind diverse Display-, Speicher- und PCB-Hersteller angesiedelt, die dort Fertigungsanlagen betreiben. Dazu gehören unter anderem die Display-Hersteller BOE und Tianma und der Speicherspezialist Yangtze Memory Technology. Offiziell hat die chinesische Regierung die Neujahrsferien jüngst bis zum 2. Februar 2020 ausgedehnt, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.
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