Emotet-Panik: Niedersachsens Behörden schalten auf Plaintext-Zwang

Christian Kahle, 09.01.2020 15:18 Uhr 62 Kommentare
Aus Angst vor einer Infektion mit der Ransomware Emotet schalten Behörden in Niedersachsen ihre elektronische Kommunikation auf ein Niveau aus den frühen Zeiten des Internets zurück. Nicht einmal URLs dürfen mehr in E-Mails enthalten sein. In den vergangenen Monaten sind unter anderem auch verschiedene öffentliche Einrichtungen Opfer der Emotet-Malware geworden. Unter anderem soll der Schädling für Infektionen am Berliner Kammergericht verantwortlich sein, in deren Folge dort nun im Grunde alle Rechner ausgetauscht werden. In Niedersachsen will man nun verhindern, dass man auf ähnliche Weise getroffen wird.

Statt allerdings die IT-Infrastruktur auf einen Stand zu bringen, der einer solchen Malware hinreichend Widerstand entgegenbringt, beschneidet man sich weitreichender Kommunikationsmöglichkeiten. Bereits seit Monaten werden von Außen keine E-Mails mehr angenommen, die Office-Dokumente enthalten. Wie aus einer aktuellen Mitteilung der Finanzbehörden hervorgeht, werden jetzt auch alle Nachrichten automatisch weggefiltert, in denen im Nachrichtentext oder auch in der Signatur ein Link enthalten ist.

Keine Rückmeldung

Der Hintergrund dessen ist die Tatsache, dass die Emotet-Betreiber zunehmend darauf verzichten, Nutzer über E-Mail-Anhänge infizieren zu wollen. Stattdessen versucht man die Anwender mit teils ziemlich geschickt gemachten Phishing-Mails auf Webseiten zu locken, die den Schadcode mitbringen und ihn über Schwachstellen im Browser auf das System schleusen.

Die neue Regelung gilt für alle E-Mails, die von externen Nutzern an die Finanzämter, das Landesamt für Steuern Niedersachsen und die Steuerakademie Niedersachsen geschickt werden. Auch intern sollen die Filter teilweise aktiv sein. Das Problem besteht hier zusätzlich darin, dass die Filter auch nicht darauf ausgelegt sind, die Absender darüber zu informieren, dass ihre E-Mail nicht zugestellt wurde. Wer also mit den niedersächsischen Behörden Kontakt aufnehmen will und keine Antwort bekommt, sollte besser telefonisch nachfragen.

Siehe auch: Befallen und ausgeschaltet: Jetzt tobt Emotet durch Berliner Gericht
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