Apple Maps bietet abhängig vom Standort alternative Realitäten

Christian Kahle am 28.11.2019 08:32 Uhr
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Es gibt Anbieter, die aufgrund rechtlicher Vorgaben in bestimmten Regionen separate Services zur Verfügung stellen. Und dann gibt es solche wie Apple, in denen sich die Realitäten innerhalb eines Angebotes abhängig vom Standort verändern.

So geschieht es beispielsweise gerade in Apple Maps. In dem Kartendienst verändert sich die Kennzeichnung der Halbinsel Krim beispielsweise abhängig vom Standort oder den Landeseinstellungen im System. Wenn iOS einen russischen Nutzer auszumachen glaubt, wird die Halbinsel dem Staatsterritorium Russlands zugeschrieben. Anderswo gilt noch die bisherige Bezeichnung Autonome Republik Krim, die zum Staatsgebiet der Ukraine gehört., wie aus einem Bericht der BBC hervorgeht

Der Status des Landstrichs kann aus internationaler Perspektive als Umstritten bezeichnet werden. Im Zuge der politischen Unruhen in der Ukraine nutzte Russland die Gelegenheit und inszenierte auf der Halbinsel einen Volksentscheid, mit dem Ergebnis eines Anschlusses an Russland. Die meisten Staaten erkennen diese Änderung allerdings nicht an und sprechen offiziell von einer Annexion des Gebietes.

Apple Maps: Wo liegt Simferopol?
Suchvorschläge: Oben in Russland, unten Deutschland

Bei uns dezentes Schweigen

Je nachdem, wo man sich aufhält, bekommt man bei Apple nun zumindest im gleichen Dienst einen jeweils anderen Status angezeigt. Die Veränderung funktioniert auch mit entsprechenden Voreinstellungen beim AppStore. Und natürlich hat dies auch entsprechende Auswirkungen auf Services, die auf Apple Maps aufsetzen - wie beispielsweise die Wetter-App. In den Suchvorschlägen heißt es für russische Nutzer beispielsweise "Simferopol, Krim, Russland". Hierzulande werden dem Städtenamen entgegen den sonstigen Gepflogenheiten überhaupt keine weitergehenden Bezeichnungen hinzugefügt.

Solche standortbezogenen Veränderungen der abgebildeten Realität sind durchaus eine neue Stufe der schon länger existierenden regionalen Anpassungen. Das bekannteste Beispiel ist hier immer noch die Aktivität Googles auf dem chinesischen Markt. Extra dafür entwickelte das Unternehmen allerdings einen komplett eigenen Suchindex, in dem die Regelungen des Staates inklusive diverser Zensurmaßnahmen umgesetzt wurden. Theoretisch konnten allerdings Nutzer in China auch auf die normale westliche Suchmaschine des Anbieters zurückgreifen - wenn ihnen nicht die große Firewall um den chinesischen Teil des Netzes den Zugang verwehrt hätte.

Siehe auch: Russland: Vorinstallation von heimischer Alternativ-Software bald Pflicht
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