VW soll auch die Steuerungs-Software bei Benzinern manipuliert haben

Christian Kahle, 30.09.2019 13:48 Uhr 37 Kommentare
Seit Jahren hält die manipulierte Software in Dieselmodellen von VW die Automobilbranche in Atem - doch es könnte noch viel dicker kommen. Auch die Benziner mit Automatikgetriebe sollen sich auf dem Prüfstand anders verhalten als auf der Straße. Die Fahrzeuge sollen in Situationen, die recht typisch für die standardisierten Testumgebungen waren, besonders früh in die nächsthöheren Gänge geschaltet haben. Das führt dann dazu, dass die Motoren hier im Grunde ständig untertourig betrieben wurden, wodurch der Kraftstoffverbrauch und entsprechend der Schadstoff-Ausstoß auf niedrigem Niveau gehalten wurde. Das geht aus einem Bericht des Handelsblattes hervor.

Bei den Automatik-Dieseln wurde hingegen eine andere Strategie gefahren. Hier ließ man die Motoren durchaus auch in den unteren Gängen auf relativ hohe Drehzahlen kommen. Denn das führt dazu, dass die Abgasreinigung schneller einsetzt, als wenn man einen normalen Betrieb durchführt. In beiden Fällen lieferten die Motoren dann auf dem Prüfstand günstigere Werte als beim alltäglichen Betrieb auf der Straße.

Doch kein reines US-Thema?

Das Thema kocht jetzt wohl aufgrund der Aussage eines VW-Ingenieurs im laufenden Verfahren hierzulande hoch. Ganz neu ist der Trick allerdings nicht. In den USA war die Sache schon 2016 Thema. Damals zahlte VW im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs ohne Schuldeingeständnis rund 100 Millionen Dollar an seine Kunden. Damit sah man die Sache als erledigt an, weil es aufgrund der anderen Regelungen ein reines US-Thema gewesen sei.

Die Aussage des Ingenieurs erweckt nun aber auch hierzulande den Eindruck, als habe VW bei seinen Automatik-Fahrzeugen nicht etwa nur mit der Software die Steuerung optimiert, sondern gezielte Manipulationen vorgenommen. Damit könnten die guten Ergebnisse auf dem Prüfstand nicht als Nebeneffekt der normalen Motorsteuerung, sondern als Teil eines systematischen Betrugs gewertet werden. Was angesichts des gerade anlaufenden Gerichtsverfahrens gegen mehrere Top-Manager nicht gerade beschwichtigend auf das Gericht wirken dürfte.

Siehe auch: Manipulierte Diesel-Software: VW-Chefs werden auch bei uns angeklagt
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