Theoretisch gibt's das nicht: Extrem schweres schwarzes Loch gefunden

Christian Kahle am 02.09.2019 14:29 Uhr
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Zwei der wohl empfindlichsten Messgeräte, die jemals von der Menschheit entwickelt wurden, haben nun wohl ein Objekt gefunden, das schwerer ist, als man es selbst in der Theorie bisher für möglich gehalten hat. Unter Astrophysikern brodelt die Gerüchteküche und es geht um ein gigantisches schwarzes Loch.

Schwarze Löcher entstehen nach den gängigen Modellen aus Sternen, die mehr als das 40-fache unserer Sonne wiegen, teils auch bei etwas leichteren Objekten, wenn im Zuge der Supernova nicht zu viel Material in die Weiten des Weltalls geschleudert wird, sondern auch ein Teil wieder zurückfällt. Wie weit es allerdings nach oben gehen kann, darüber hat man im Grunde keine gesicherten Informationen.

In den Massebereichen, wie sie Gravitationswellen erzeugen würden, die einer der jüngsten Beobachtungen an den Detektoren LIGO und Virgo entsprechen, hat man allerdings bisher kaum zu denken gewagt. "Die Voraussage ist, dass es keine solchen schwarzen Löcher gibt - auch nicht einige wenige", erklärte Stan Woosley, einer der bekanntesten Experten auf dem Gebiet, der an der University of California in Santa Cruz forscht.

Sensation: Erstmals Gravitationswellen aus dem All gemessen
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Die Natur findet Wege

Woosley merkte aber auch an: "Wir wissen natürlich, dass die Natur oft genug einfach ihren Weg findet." Solange es also keine wirklich triftigen Gründe gibt, die gegen die Existenz extrem großer schwarzer Löcher sprechen, kann man mit ihrer Entdeckung rechnen. Die gängige Theorie besagt derzeit, dass ein Stern von benötigter Größe bei einer Supernova eine solche Explosionskraft entwickelt, dass am Ende überhaupt nichts mehr als zusammengehöriger Überrest verbleibt.

Von den Forscher-Teams an LIGO und Virgo gibt es bisher keine offiziellen Äußerungen zu dem Thema. Hier will natürlich niemand etwas in die Welt setzen, bevor die Entdeckung in einem entsprechenden Paper inklusive aller Daten niedergeschrieben und im Peer-Review-Prozess bestätigt wurde.

Die genannten Gravitationswellen-Detektoren sind in der Lage, winzige Krümmungen des Raums zu erkennen. Dies geschieht durch die Überlagerung von Laser-Strahlen, die so perfekt aufeinander abgestimmt sind, dass sich die Wellen gegenseitig auslöschen. Wenn sich der Raum, den sie auf einer längeren Strecke durchlaufen, nun aber um wenige Nanometer zusammenzieht oder ausdehnt, funktioniert die genaue Abstimmung nicht mehr.

Siehe auch: Ein neues Zeitalter: Gravitationswellen sind endlich nachgewiesen
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