Polizei findet viele Drogen und Sprengstoffe bei "normalen" Nutzern

Christian Kahle am 20.08.2019 16:08 Uhr
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In einem Großeinsatz mit rund tausend Einsatzkräften ist die Polizei in mehreren Bundesländern bei Verdächtigen aufgetaucht, die ins Visier der Zentralstelle Internet- und Computerkriminalität der Staatsanwaltschaft Göttingen gerieten. Razzien gab es im Zuge dessen auch in Litauen und Kroatien.

Zur Stunde informiert die Polizeidirektion Göttingen über den Schlag gegen ein Forum, das wohl schon seit dem Jahr 2006 existierte, so ergaben es zumindest die bisherigen Ermittlungen. Hier wurden in erster Linie diverse Drogen gehandelt. Sichergestellt wurden allerdings auch fertige Sprengstoffe. Hinzu kamen Grundstoffe, die teils sowohl zur Herstellung von synthetischen Drogen als auch von Sprengstoffen genutzt werden können - und dies jeweils in größeren Mengen.

Nach Angaben der Ermittler wurden in Deutschland 22 Personen ausfindig gemacht, die als Administratoren und Moderatoren identifiziert wurden, die teils aber offensichtlich auch selbst am Handel beteiligt waren. Es handle sich laut den Ermittlern um Deutsche aus der Mitte der Gesellschaft - teils Schüler, Studenten und Leute mit ganz normalen Jobs. Zu tun hatte man es ausschließlich mit männlichen Personen, die noch nie aufgrund anderer Taten oder einer irgendwie gearteten Radikalisierung aufgefallen wären.

Verhaftungen hat es im Zuge der Razzien nicht gegeben. Dies begründete man damit, dass im Anschluss an die polizeilichen Aktionen keine Haftgründe mehr vorlagen. Insbesondere eine Verdunkelung, also die Einflussnahme auf Beweismittel sei schlicht nicht möglich, da sich sowohl die gefundenen Substanzen als auch der physische Server komplett in der Hand der Behörden befände.

Hilfe für die Ermittler

In die Hände spielte den Ermittlern dabei auch die Tatsache, dass sich die aktiven Nutzer des Boards in einem eigenen Bereich darüber austauschten, wie man sich vor polizeilichen Zugriffen schützen kann - und insbesondere auch, wo sich die jeweiligen Stoffe gut verstecken lassen. Dort haben die Beamten dann natürlich zuerst nachgeschaut.

Seitens der Staatsanwaltschaft wurde betont, dass die Ermittlungen bei weitem noch nicht abgeschlossen sind. Denn die Razzien beruhten im Wesentlichen auf den Foreninhalten der letzten Monate. Weitergehend werden nun auch länger zurückliegende Vorgänge ausgewertet und nach den Käufern gefahndet. Unklar ist aktuell auch, ob die illegalen Aktivitäten in dem Forum schon von Beginn an Bestandteil waren. Denn das Board war keineswegs im so genannten Darknet versteckt, sondern ganz offen gehostet. Lediglich eine Registrierung hielt den normalen Nutzer davon ab, zufällig auch auf die kritischen Inhalte zu stoßen.

Siehe auch: Bahntickets für tausende Euro ergaunert: Razzien in vier Städten
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