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Elon Musks Gehirn-Implantat ist für Forscher ein "unseriöser Hype"

Elon Musk, Gründer von Tesla, SpaceX und Co., gilt als Visionär, viele halten ihn aber auch für einen Blender, der vor allem eines kann: PR. Auch bei seinem neuesten Unterfangen Neuralink gehen Experten mit dem Projekt hart ins Gericht, Neurologen bezeichnen sein Gehirn-Interface als Hype.
29.07.2019  12:31 Uhr
Neuralink Die Neuralink-Implantate in der Theorie

Elon Musks neuestes Unternehmen will einen alten Traum der Science-Fiction bzw. des Cyberpunk in die Realität umsetzen, nämlich die Verbindung des menschlichen Gehirns mit Maschinen bzw. Computern. Hierzu vermeldete Neuralink Mitte Juli einen entscheidenden Durchbruch, nämlich die erfolgreiche Implantation von Elektroden ins Gehirn einer Ratte.

Dazu hat Musk auch einen Aufsatz mit dem Titel "An integrated brain-machine interface platform with thousands of channels" veröffentlicht, darin beschreibt er genauer, wie Neuralink funktionieren soll. Die Kollegen von Heise haben das Papier Wissenschaftlern vorgelegt und sie gebeten, das Ganze aus ihrer fachlichen Sicht heraus zu analysieren.

"Werbeprospekt"

Und das Fazit fällt eindeutig und fast schon vernichtend aus. Ulrich Dirnagl, Direktor der Abteilung Experimentelle Neurologie der Berliner Charité, bezeichnete den Aufsatz als wenig seriösen "Werbeprospekt der Firma Neuralink". Der Neurologe räumt zwar ein, dass es sich bei Musks Vorhaben um ein "durchaus beeindruckendes" und auch finanzstarkes Projekt handle, den in Aussicht gestellten Quantensprung für ein Brain-Machine-Interface könne Neuralink aber keinesfalls liefern.

Neuralink

Das Vorhaben könne die Gehirnsteuerung allenfalls ein kleines Stückchen voranbringen. Dirnagl: "Alles andere aber ist unseriöser Hype, Science-Fiction und durch nichts im Artikel oder unserem sonstigen Wissen zur Funktion des Gehirns belegt."

Auch Dirnagls Neurologen-Kollege Philipp Kellmeyer äußerte sich ähnlich und meinte: "Fundamental neu sind die Arbeiten im Hinblick auf die Elektrodentechnologie nicht." Er verweist im Hinblick auf den jüngsten Tierversuch mit einer Ratte, dass man das alles ohne langfristige und unabhängige Untersuchungen der Verträglichkeit und (Nicht-)Toxizität ohnehin "mit Vorsicht genießen" müsse.
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