Die andere Seite des Konflikts: Huawei lebt von enormen Subventionen

Christian Kahle, 31.05.2019 08:34 Uhr 47 Kommentare
So überzogen der Handelskrieg gegen den chinesischen Konzern Huawei auch aussieht, so kommt er letztlich auch nicht ganz aus heiterem Him­mel. Denn im internationalen Wettbewerb tritt das Unternehmen schlicht nicht auf Augenhöhe an, sondern kann sich auf sehr viel umfassendere staatliche Unterstützung verlassen als westliche Firmen.

Huawei: My Campus is my Castle
Huaweis neuer Campus

Direkte Subventionen sind gemäß der globalen Regeln für den Welthandel verpönt. Und Huawei-Gründer Ren Zhengfei erklärte kürzlich auch noch, dass sein Unternehmen keine staatlichen Beihilfen erhalte. Ein Sprecher des Unternehmens musste das nun allerdings relativieren: Ren habe gemeint, dass Huawei keine gesonderte Unterstützung bekomme, die über jene anderer Hochtechnologie-Unternehmen in China hinausgehe.

"Huawei bekommt, wie andere Unternehmen auch, Technologie-Förderungen der öffentlichen Hand mehrerer Länder", sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Diese werden in den Bilanzen auch gesondert ausgewiesen. In den letzten zehn Jahren kam hier ein Betrag von rund 1,6 Milliarden Dollar zusammen. Über die Hälfte dessen kommt allein aus einem Förderprogramm, mit dem die chinesische Regierung die Entwicklung ihrer Hightech-Industrie vorantreiben will.

Doch das ist nur die Spitze des Eisberges, wie weitergehende Recherchen der AFP zeigen. So hat die Stadt Shenzhen im letzten Jahr beispielsweise mehrere hunderttausend Dollar gezahlt, die offiziell als Prämien für besondere Leistungen an Top-Ingenieure Huaweis flossen und im Grunde einen Teil des Gehalts darstellen, mit dem das Unternehmen sich Spitzenkräfte sichern kann.

Immobilien zum Spottpreis

Noch wesentlich wertvoller sind allerdings verdeckte Subventionen für Baugrundstücke und Immobilien. In Dongguan hat die Stadt dem Unternehmen beispielsweise 127 Hektar Land verkauft, auf dem der neue Forschungs-Campus Huaweis entsteht. Der Preis lag hier gerade einmal bei einem Zehntel dessen, was andere Unternehmen in der direkten Umgebung zahlen mussten. Weiterhin wurden von der Stadtverwaltung Auktionen organisiert, auf denen Grundstücke veräußert wurden, auf denen jetzt 20.000 Wohnungen für die zukünftigen Mitarbeiter auf dem Dongguan-Campus entstehen sollen. Eine Tochterfirma des Konzerns war hier jeweils als einziger Bieter anwesend und kam entsprechend gut weg.

Ähnlich soll es in vielen anderen Fällen gewesen sein. Und solche Maßnahmen sorgen letztlich mit dafür, dass Huawei auf dem Weltmarkt im Grunde unschlagbar günstige Angebote machen kann, wenn wieder einmal Ausschreibungen für den Ausbau von Mobilfunknetzen laufen. Dabei muss das Unternehmen selbst dann nicht einmal mehr knauserig bei den eigenen Niederlassungen sein. Das zentrale Bauwerk in Dongguan wird so keineswegs ein praktischer Zweckbau sein. Huawei gönnt sich hier stattdessen eine ziemlich große Burg nach dem Vorbild des europäischen Mittelalters. Drumherum gruppieren sich diverse weitere Repliken aus der europäischen Architekturgeschichte.

Wichtige Updates zum Thema: Derzeit erreichen uns stetig immer mehr Details und offizielle Statements zum vorläufigen Entzug der Huawei-Android-Lizenz und der möglichen Beendigung der Zusammenarbeit seitens US-amerikanischen Unternehmen, die wir in folgenden Artikeln separat aufbereitet haben.

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