Urheberrechts-Protest: Deutsche Wikipedia ist abgeschaltet (Update)

Nadine Juliana Dressler am 09.03.2019 10:18 Uhr
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In der Debatte um die geplante EU-Urheberrechtsreform will die deutschsprachige Wikipedia am 21. März ein Zeichen setzen: An diesem Tag bleibt die Seite für 24 Stunden nicht zugänglich, man wird nur eine schwarze Seite und eine Protest-Erklärung zu sehen bekommen.

Update vom 21. März: Wer sich also wundert, dass die deutsche Wikipedia-Seite heute nicht erreichbar ist: Der Anfang März beschlossene 24-Stunden-Protest gegen die neue Urheberrechtsreform ist nun in Kraft getreten. Erst am 22. März wird man die Wikipedia-Webseite wieder wie gewohnt nutzen können.


Wikipedia Protest 21. März
So sieht der Wikipedia-Protest aus.

Das hat man nun nach einer Diskussion unter den Autoren und Unterstützern der deutschsprachige Wikipedia beschlossen. Am Donnerstag, den 21. März wird der Protest gegen die EU-Urheberrechtsreform, zu der die sogenannten Upload-Filter (Artikel 13) und ein strenges Leistungsschutzrecht für Presseverleger (Artikel 11) zählen, dann umgesetzt.

Das Echo auf die Aktion dürfte groß ausfallen

Da Wikipedia einen hohen Bekanntheitsgrad hat, dürfte das Echo entsprechend groß ausfallen. Schon vor kurzem sorgten Demonstrationen gegen den Artikel 13 für Schlagzeilen, sodass das Thema jetzt wieder stärker diskutiert wird.

Man hat sich bei Wikipedia nun dazu entschieden, folgenden Beitrag auf der Seite anzuzeigen, er wird noch mit den entsprechenden Daten ergänzt:

"Liebe Besucherin, lieber Besucher,

warum können Sie Wikipedia nicht wie gewohnt benutzen? Die Autorenschaft der Wikipedia protestiert gegen Teile der geplanten EU-Urheberrechtsreform, die am xx.xx.xxxx² vom Parlament der Europäischen Union verabschiedet werden soll.

Die geplante Reform könnte dazu führen, dass das freie Internet erheblich eingeschränkt wird. Selbst kleinste Unternehmen müssten fehleranfällige und technisch unausgereifte Upload-Filter für sämtliche ihrer Inhalte einsetzen (Artikel 13) und für minimale Textausschnitte aus Presseerzeugnissen Lizenzen erwerben, um das sogenannte Leistungsschutzrecht für Presseverleger einzuhalten (Artikel 11). Dies könnte die Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit deutlich beeinträchtigen.

Gegen die Reform protestieren auch rund fünf Millionen Menschen in einer Petition, 145 Bürgerrechts- und Menschenrechtsorganisationen, Wirtschafts- und IT-Verbände (darunter Bitkom, der deutsche Start-Up-Verband oder der Chaos-Computer-Club), Internet-Pioniere wie Tim Berners-Lee, Journalistenverbände sowie auch Kreativschaffende.

Wir bitten Sie deshalb darum ...

... die Abgeordneten des Europäischen Parlaments zu kontaktieren und sie über Ihre Haltung zur geplanten Reform zu informieren (Info).

... an den Demonstrationen teilzunehmen, die am 23. März 2019 in ganz Europa stattfinden (Info).

... Ihr demokratisches Recht wahrzunehmen und am 26. Mai 2019 an der Wahl des EU-Parlaments teilzunehmen (Info).

Danke."


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