Tödlicher Tesla-Unfall: Autopilot hat Sekunden vor Crash beschleunigt

Witold Pryjda, 08.06.2018 10:14 Uhr 74 Kommentare
Elon Musk, der Chef des Elektroautobauers Tesla, hat zuletzt seinen Tonfall gegenüber Medien verschärft und diesen vorgeworfen, dem Unternehmen bewusst schaden zu wollen. Ausgangspunkt sind die Berichte zu Unfällen, an denen der Autopilot beteiligt war und ist. Der Untersuchungsbericht eines tödlichen Unfalls bringt Tesla nun aber in Erklärungsnot. Musk hat sich in den vergangenen Wochen keine neuen Freunde gemacht, denn der Tesla-Chef hat zunehmend dünnhäutig auf die Berichte zu Autopilot-Unfällen reagiert und eine regelrechte Verschwörung gewittert. Dabei geht es zumeist um Fragen zu Unfällen, bei denen das Assistenzsystem Autopilot involviert war. Tesla wiederholt hier gebetsmühlenartig, dass dieser nicht unbeaufsichtigt genutzt werden darf und der Fahrer die Verantwortung nie abgeben darf.

Tesla-Unfall März 2018
Der brennende Tesla und was davon übrig blieb

Und dennoch passiert das immer wieder. So auch im März diesen Jahres. Damals verunglückte ein 38-jähriger Tesla-Fahrer tödlich, sein Fahrzeug krachte im kalifornischen Mountain View gegen eine Betonwand und fing Feuer. Schon kurz nach dem Unfall verwies Tesla darauf, dass der Fahrer nicht auf die Warnungen des Autopiloten reagiert habe.

Tesla-Unfall März 2018


Tesla-Unfall März 2018

Von 99,8 km/h auf 113,9 km/h

Nun hat aber die US-amerikanische Verkehrsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB) ihren Untersuchungsbericht zu diesem Unfall veröffentlicht (via Guardian) und dieser wirft durchaus Fragen auf. Denn Warnungen hin oder her: Laut NTSB hat der Autopilot drei Sekunden vor dem Unfall beschleunigt und zwar deutlich, nämlich von 62 auf 70,8 Meilen pro Stunde, das sind 99,8 km/h bzw. 113,9 km/h.

Das Fahrzeug bzw. das Assistenzsystem machten keinerlei Anstalten selbst zu bremsen oder auszuweichen. Das NTSB bestätigt, dass der Fahrer während der 18 Minuten des eingeschalteten Autopiloten zwei Mal visuell und einmal per Ton gewarnt wurde, seine Hände auf das Lenkrad zu legen. Die letzte Warnung gab es allerdings 15 Minuten vor dem Unfall.

Kein Ausweichen oder Bremsen

In den 60 Sekunden vor dem Unfall wurden die Hände des Fahrers drei Mal auf dem Lenkrad registriert, in den letzten sechs Sekunden vor dem Unfall waren sie nicht darauf. Beim Crash wurde die Batterie des Teslas beschädigt und ging in Feuer auf. Der Fahrer war noch angeschnallt, konnte durch Ersthelfer aus dem Auto befreit werden, erlag aber später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Das alles wird die Diskussion rund um die Autopilot-Technologie weiter anheizen, die Kritiker werden sich wohl durch den Zwischenbericht des NTSB bestätigt sehen. Tesla hat den Bericht nicht kommentiert, man hat zuletzt einer beschädigten Leitplanke eine Mitschuld gegeben, doch Experten halten das für eine nicht ausreichende Erklärung.

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