Stromerzeugung: Folgekosten von Atomstrom am höchsten

Die steigenden Energiekosten lassen in Deutschland die Rufe nach einer Laufzeitverlängerung der verbliebenen Atomkraftwerke laut werden. Wie die Grafik auf Basis einer Untersuchung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (PDF-Download) zeigt, sind die gesamtgesellschaftlichen Folgekosten bei Atomstrom so hoch wie bei keiner anderen Stromerzeugungsart. Bei diesen Gesamtkosten sind neben dem Marktpreis und staatlichen Förderungen auch Folgekosten wie Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschäden mit eingepreist. Neben der Atomenergie sind auch die Stromerzeugungsarten aus Stein- und Braunkohle mit deutlich mehr gesamtgesellschaftlichen Kosten verbunden als die Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie. Bei der Nutzung von Windenergie etwa fällt nur ein Drittel der gesamtgesellschaftlichen Kosten an, die die Braunkohle verursacht.

Nachdem vergangenes Jahr drei Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet wurden, sind derzeit noch drei Kraftwerke in Betrieb. Gemäß Atomgesetz werden die drei jüngsten Reaktoren spätestens Ende 2022 abgeschaltet. Allerdings wird bereits seit Januar dieses Jahres eine Debatte darüber geführt, wie nachhaltig Strom aus Atom- und Gaskraftwerken ist. Hintergrund: Die EU-Kommission hatte am Neujahrstag einen Entwurf für Nachhaltigkeitskriterien bei Investitionen vorgelegt. Demnach sollen Investitionen in neue Atomkraftwerke dann als grün klassifiziert werden können, wenn die Anlagen neusten technischen Standards entsprechen und wenn ein konkreter Plan für den Betrieb einer Entsorgungsanlage für hoch radioaktive Abfälle ab spätestens 2050 vorgelegt wird.

Trotz möglicher Energieversorgungsengpässe wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine haben sich Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke bereits vor einem Monat gegen eine Laufzeitverlängerung der verbliebenen drei Atomkraftwerke ausgesprochen. Diese würden frühestens ab Herbst 2023 nach Befüllung mit neu hergestellten Brennstäben Strom produzieren können. Ein Weiterbetrieb wäre zudem mit einer umfangreichen Sicherheitsprüfung und mit der Schulung von Personal für jedes der drei Atomkraftwerke verbunden.

Stromerzeugung: Folgekosten von Atomstrom am höchsten
[o1] Stefan1979 am 12.04. 11:49
+4 -2
Ganz tolle Grafik um das rauszukriegen was man will...

Bei Atom gibt es zwei * die bedeuten - oberer Schätzwert.

Könnte man bitte auch den unteren Schätzwert angeben und einen Mittelwert der bei den verschiedenen Gutachten, Berechnungen usw. rauskam?

Ach nein - kann man vermutlich nicht, weil dann das Ergebnis nicht mehr das zeigt was gewünscht ist...
[re:1] Drachen am 12.04. 11:56
+1 -
@Stefan1979: kommt auf die Quelle des unteren Schätzwertes an.
Stammt der von Physikern und Baufirmen, den Grundämtern und Geologen usw., bleibt auch solch ein unterer Schätzwert über allem Anderen.
Relevant drücken kannst du solch einen Wert nur, wenn du (ausschließlich) Atomkraftwerkbetreiber fragst .....
[re:1] Stefan1979 am 12.04. 12:00
+2 -1
@Drachen: Na bei der Quelle ist klar, dass vorher schon feststand was rauskommen muss.

Quelle: Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft

Dass man extra einen versteckten Vermerkt ranmacht "oberer Schätzwert" zeigt, dass das Ergebnis mit den Durchschnittlichen Daten nicht das erwünschte Ergebnis gebracht hätte. Sonst könnte man ja ganz normal einen Durchschnittswert angeben - wie wohl bei den anderen auch. Denn dort wird ken "oberer Schätzwert" verwendet.

Und wie wir ja aus vielen Urteilen gegen Telefonanbieter und andere gelernt haben, sind die Leute zu doof so Sternchen-Erklärungen zu lesen. Somit ist das eine absichtliche Verschleierung der Fakten um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.
[re:1] Fropen am 12.04. 12:43
+2 -1
@Stefan1979: einem Verein der eine Adam-Smith-Preis würde ich jetzt nicht Öko-Fundamentalismus unterstellen.
Außerdem handelt es sich bereits eher um eine mittleren Schätzwert.

"Für Atomenergie wird in der Methodenkonvention des UBA kein eigener Wert der externen
Kosten angegeben. Die ansonsten verfügbaren Schätzungen liegen sehr weit auseinander. Das
hängt vor allem damit zusammen, dass hier Annahmen zur Wahrscheinlichkeit und zu den Folgekosten eines nuklearen Unfalls mit Freisetzung von radioaktivem Material getroffen werden
müssen. Zu den externen Kosten der Atomenergie liegen Schätzungen in der Bandbreite von
0,1 Ct/kWh bis hin zu 320 Ct/kWh vor - die verschiedenen Schätzungen weichen also um den
Faktor 3.200 voneinander ab. Aus dieser Bandbreite methodisch fundiert einen "Best Guess"
herauszufiltern, ist nach Einschätzung der AutorInnen nicht möglich. Für die externen Kosten
der Atomenergie kann lediglich eine verkleinerte Bandbreite, aber kein Punktwert angegeben
werden. Für den unteren Wert der Bandbreite wird auf die Hilfslösung des Umweltbundesamtes in der Methodenkonvention zurückgegriffen, Atomenergie den Satz des schlechtesten fossilen Brennstoffs - Braunkohle - zuzuordnen, also 11,5 Ct/kWh. Als oberer Wert der Bandbreite
wird auf Basis einer breiten Literaturauswertung und einer Expertenbefragung eine Neuberechnung des Schadenserwartungswertes für den Fall katastrophaler nuklearer Unfälle verwendet.
Für den reinen Schadenserwartungswert wird eine Bandbreite von aus heutiger Sicht realistischen Annahmen und Methoden zugrunde gelegt, woraus unter Berücksichtigung eines Risikoaversionsfaktors externe Kosten der Atomenergie von 34 Ct/kWh resultieren" Stand 2015
[re:2] Kennbo am 12.04. 12:04
+3 -1
@Stefan1979: Dem stimme ich voll zu. Das "Schätzwert" schreit doch förmlich danach auseinandergenommen zu werden, und deshalb auch ausgeklammert, um eben keine Fakten nennen zu müssen. So genau baut man sich Statistiken, die einem passen.

Ist in dem Schätzwert enthalten, dass man sich gern halbgare Endlager ausdenkt, zu dem dann alles nach ein paar Jahren komplett saniert und unter extrem hohen Kosten ausgebessert werden muss? Stichwort Asse....
[re:1] Fropen am 12.04. 12:44
+3 -
@Kennbo: oder man liest einfach nach wie der Schätzwert zustande kommt, siehe meine Kommentar oben.
[o2] sPuCkY am 12.04. 12:05
+4 -
Wenn man sich mal ein bisschen mit Atomstrom beschäftigt, sieht man doch, dass die Technik von ~1960 oder noch älter ist. Wenn man da neue Innovationen schafft, würde auch deutlich weniger Müll übrig bleiben.
Terrapower aus den USA ist da ein gutes Beispiel. Die könnten ihre Kraftwerke über Jahrhunderte mit dem weltweit gelagerten Beständen von Atommüll betreiben. Bei ihren Kraftwerken ist auch eine Kernschmelze so gut wie nicht mehr möglich.
[re:1] TierparkToni am 12.04. 12:33
+2 -
@sPuCkY: Nicht nur das, wir nutzen auch den "bestehenden Müll" nicht.
Würde man die Abwärme von allen Castoren, die in DE auf Ihren Abtransport warten, wärmetechnisch ausnutzen (da sind gerne mal um die 180-250 Grad drin), könnte man ca. 400.000 Einfamilienhäuser damit heizen - nur mal so als Gedankenexperiment.

Und wer jetzt anfängt von wegen "Strahlenschutz & Co." : Geothermie ist nichts anderes als das abführen von Wärme aus den nuklear-geologischen Abkühlprozessen - sprich nichts anderes als schwach-radioaktives heißes Wasser zu entnehmen und abgekühlt wieder zurück zu führen ...

Seltsamerweise haben bis dato alle meine ehemaligen Kunden (ca. 2.500 Haushalte) immer erst einmal dumm geschaut, wenn ich Ihnen das erklärte - haben aber keinerlei Bedenken deswegen gehabt, ein paar haben sich sogar mit dem Geigerzähler neben die Wärmestation gestellt und festgestellt, dass das Radon aus dem Kellerschacht mehr strahlt als das Wasser im Geothermie-Fernwärmenetz....
[re:1] pcfan am 12.04. 12:50
+ -
@TierparkToni: Solange man Primär und Sekundär Kreislauf und einen Wärmetauscher dazwischen hat, sollte es auch bei stärkerer Strahlung keine Strahlungsprobleme geben, oder?

Schlägst du also vor, alle heißen, radioaktiven Abfälle in einen großen Topf zu werfen und damit Wasser heiß zu machen und das mit Wärmetauscher als Fernheizung zu verwenden?

Könnte man damit nicht sogar vorher noch eine Niederdruck Turbine betreiben und Strom rausholen?

Vielleicht gar keine schlechte Idee.
Angst vor einer Kernschmelze muss man hier nicht haben.
Und man hat zumindest ein Mittelfristiges Lager für die Abfälle.
Langfristig würde das Wasser im Primärkreislauf strahlen, aber das kann man dann ja am Ende in einem großen Tank lagern und zusammen mit dem Rest vom inzwischen deutlich weniger strahlenden Müll im Salzstollen einlagern.

Ist im Grunde dann sowas wie ne Radionukleidbatterie, nur größer?
[re:2] TomW am 12.04. 12:44
+ -
@sPuCkY: ...und wenn man sich anschaut, welch exorbitanten Kosten jeder AKW-Neubau in Europa derzeit verursacht mit Technologien, die lange bekannt und erprobt sind, stellt sich die Frage, wie sehr das erst ausufert, wenn man noch was Neues versucht.
[re:3] Fropen am 12.04. 12:46
+2 -
@sPuCkY: und dann kommt ein Putin und bombt dir das Kraftwerk weg.

Alle diese Überlegungen müssen auch Pfusch, Korruption und Krieg/Terrorismus berücksichtigen.

Das führt dann zu sowas hier
https://www.reuters.com/business/energy/counterfeit-parts-present-many-us-nuclear-power-plants-inspector-general-2022-02-10/
[re:1] pcfan am 12.04. 12:50
+ -2
@Fropen: Besser er bombt das Wasserkraftwerk weg, als das AKW, oder?
[re:1] Fropen am 12.04. 13:24
+ -
@pcfan: ich hab jedenfalls noch nicht gehört, dass man befürchtet, dass russische Raketen ein ukrainische Windkraftanlage treffen
[o3] pcfan am 12.04. 12:42
+3 -
Die Frage ist halt, sind die Folgekosten signifikant höher, wenn man die Kraftwerke jetzt noch 2-5 Jahre laufen lässt, um in der Zwischenzeit Wind und Wasser und einige Speicher zu bauen, als wenn man sie gleich abschaltet.

Es fällt etwas mehr strahlender Abfall an, aber Rückbau des Kraftwerkes und Einlagerung des Radiokativen Schutts fällt ja trotzdem an. Also sollte der Unterschied minimal sein. Und gebaut sind die Kraftwerke auch schon.

Wenn man dafür einige Gaskraftwerke temporär stillegt um weniger russisches Gas zu verbauchen, das dann eher zum Heizen für Privatkunden zur Verfügung steht, ist das eventuell eine Überlegung wert.

Kruzfristig hat man auch etwas weniger CO² auch wenn immernoch mehr anfällt als bei echten grünen Energiequellen, wegen der ganzen Logistik drumrum vom Abbau über Aufbereitung bis zur Endlagerung des Brennstoffes.

NEUBAU von AKWs lohnt sich aber auf keinen Fall, außer es gibt eine komplett neue Technik, die signifikiant günstiger ist.
[re:1] DRMfan^^ am 12.04. 13:17
+ -
@pcfan: Und die Entwicklung der "neuen Technik" wäre halt ihrerseits sauteuer. Unsere AKWs sind ja im Prinzip alle Abfallprodukte der Atombombe - will sagen: Sie wurden nicht mit Blick darauf getrimmt, mit wenig Müll oder kosteneffizient zu arbeiten.
[o4] DRMfan^^ am 12.04. 13:15
+ -
Da wir noch kein Endlager haben, finde ich die Kosten auch noch nicht bezifferbar. Andererseits macht es aber wohl auch wenig Unterschied, ob wir nun 60.000t oder 65.000t Atommüll endlagern müssen.
oder

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