Railgun: US-Militär gibt Entwicklung der futuristischen Kanone auf

Von Witold Pryjda am 02.07.2021 15:51 Uhr
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Die US-amerikanische Marine arbeitet bereits seit einigen Jahren an einer so genannten Railgun, bei der Projektile elektro­magnetisch beschleunigt und abgefeuert werden. Oder besser gesagt: arbeitete. Denn nun wurde das 500-Millionen-Dollar-Projekt bis auf Weiteres eingestellt.

Railguns tauchen gerne in Science-Fiction-Serien und -Filmen auf, ein bekanntes Beispiel ist die Amazon-Serie The Expanse. Die gerne auch als "Gauss Guns" bezeichneten Kanonen sind aber nicht pure Sci-Fi, wie die US Navy vor einigen Jahren bewiesen hat. Denn die Forschungsabteilung der US-Marine hat eine Railgun gebaut und auch mehrfach erfolgreich getestet.

Per Railgun kann ein Stahlprojektil auf eine Geschwindigkeit von mehr als Mach 6 (rund 7400 km/h) beschleunigt werden. Ein solches Geschoss war dadurch theoretisch in der Lage, 110 nautische Meilen (rund 200 Kilometer) weit zu fliegen.

Railgun: US-Navy testet erfolgreich Kanone der nächsten Generation


Hyperschallraketen statt Railgun

Doch die Navy wird das Projekt - vorerst - ruhen lassen. Wie die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet (via The Hill), wurde der Geldhahn für die Railgun-Entwicklung abgedreht. Offiziell spricht das US-amerikanische Verteidigungsministerium allerdings von einer Pause und nicht einem kompletten Aus.

Das Budget soll stattdessen in die Entwicklung von Hyperschallraketen fließen. Diese sollen in den neuen Zerstörern der Zumwalt-Klasse zum Einsatz kommen. Für diese war ursprünglich auch die Railgun geplant.

Gründe für das Aus gibt es mehrere: Die Reichweite von 110 nautischen Meilen klingt nach viel, war aber für ein Schiff dieser Art zu wenig - da man dadurch in Reichweite gegnerischer Raketen kam. Ein weiterer Grund, der gegen den Einsatz von Railguns sprach, war der Verschleiß, denn diese musste nach ein oder zwei dutzend Schüssen erneuert werden - eine konventionelle Kanone lässt sich etwa 600 Mal betätigen.
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